Well

-jokingly-
„Why are you always being such a dick to me?“
„Because it’s so easy. But in a nice way!“
„Am I supposed to take this as a compliment?“
„Yeah!“

Alright then.

here we are again

es geht in zyklen, das mit dem nicht-schlafen-koennen. aber in welchen, das habe ich noch nicht so genau herausgefunden.

ich mache ernst mit meinen plaenen fuer russland. morgen schicke ich meinen visumsantrag ab. ich weiss noch nicht, ob das alles so eine gute idee ist, ob es wirklich sinn ergibt. aber ich weiss, dass es mir guttun wird, und das ist nach diesen monaten der stagnierenden depression das wichtigste.

dream?reality

it’s okay to daydream, i’m telling myself as i proceed to bury reality under a junk pile of destructive thoughts.

it’s going nowhere now, is it, life, and everything.

ich plane mal wieder, nach sankt petersburg zu fahren, wie immer. das visum ist unerwartet teuer, aber erreichbar. vielleicht kann ich etwas laenger bleiben, vielleicht, das waere schoen. einfach mal weg fuer ein bisschen, in meine vertraute umgebung, nach hause und zu zoe. vielleicht sage ich auch david bescheid und treffe mich mit ihm auf ein eclair-date, vielleicht, aber zoe wohnt nicht zentral, das heisst, ich muss mich auf das wochenende verlegen, falls wir noch unsere alte wohnung haetten, waere das kein problem. das eclair cafe ist fuenf minuten davon entfernt, ich koennte mich einfach einmal kurz in der pause treffen. zentral leben hat vorteile, aber bei zoe leben ist umsonst.

gedanken: zu viel. warum ueber dinge tagtraeumen, die nie passieren werden? weil es sonst keine tagtraeume waeren. aber es ist schon ein bisschen uncomfortable und enttaeuschend, weil man traeumt ja auch, weil man hofft, dass es eben doch wahr werden koennte.

also traeume ich von kaffeepausen im eclair-cafe und davon, mir regenfeste schuhe zu kaufen, wahrscheinlich bei galereya irgendwo in diesem grossen schuhladen, vielleicht auch im nevsky tsentr, dort, wo ich meine winterschuhe gekauft habe. ich traeume vom entlanglaufen auf dem nevsky, vom volkovskoe pivo trinken mit zoe, von einem besuch bei beergeek und im jaws und natuerlich beim ovoshi i frukty laden. ich sage allen hallo und kuschle mit baby, ich gehe zur neva und lasse mich von den wellen davon tragen. vielleicht fahre ich nach vyborg, vielleicht bleibe ich auch eine nacht in moskau und begruesse lyosha und sveta. vielleicht gehe ich zu tantsploschadka, es scheint auf zu sein. vielleicht antwortet mir auch kristina und wir koennen ein sektfruehstueck bei granola haben. und ist stephanie noch da? vielleicht kann ich auch zum ballett ins marinsky und ins kino. wie geht es wohl elina?

all das sind traeume, dazu muss ich erst mal einen weg finden, das visum zu bezahlen, oder vielleicht findet sich ja doch noch jemand, der ein weilchen in meiner wohnung uebernachten moechte.

am montag treffen wir uns mit der arbeit, persoenlich, ganz real. und ich tagtraeume auch hier, moechte jemand hinterher noch ein bier trinken? ich traeume und sage now, does anyone want to grab a drink – of any kind, the alcoholic or the non-alcoholic? und ich traeume, dass ein paar mitkommen, dass es eskaliert, dass es noch ein bisschen warm ist es soll schoen werden sonntag und montag tagsueber ich ueberlege, meinen aperture science beutel mitzunehmen, wenn man bleibt, dann wird es kalt, ich werde ein top tragen und einen kurzen rock und dazu meine roten schuhe und ich werde im beutel meine jacke mitnehmen und den beutel kann ich auf meinen gepaecktraeger packen, dann muss ich ihn nicht tragen und ich traeume, dass wir irgendwann nachts im park liegen und sterne zaehlen und ein bisschen betrunken sind, ein bisschen, nicht zu viel, nur froehlich, zufrieden, warm, wohlig.

das ist natuerlich alles zu viel gedacht, aber was bleibt einem denn noch?

ich bin zu hause, ich erlebe nichts, es passiert nichts, es ist still, ruhig, leise, so still, ruhig, leise wie noch nie in meinem leben. dabei ist doch prinzipiell so viel geplant in der zukunft irgendwann und vielleicht kriege ich den platz in der summer school in kasachstan und dann bin ich fuer zwei wochen dort, waere das nicht amazing? und dann fahre ich nach armenien, naechstes jahr. es ist nicht nichts.

ich habe eine 1,0 in meiner hausarbeit bekommen und ich freue mich, aber es ist auch nur asche im wind. ein fluechtiges gefuehl, leicht, beinahe wertlos, nichts zum festhalten, nichts zum hinterher schauen, schoen, ok, cool, weiter.

es tut gut, mal wieder so zu bloggen, wie ich normalerweise eben blogge, wenn viel passiert und ich viel zu sagen habe, wenn ich viel niederschreiben und festhalten moechte, einfach drauflos, ohne drumherum, gedanken, klar, ehrlich, vollstaendig? nein, nicht vollstaendig, natuerlich ist immer ein bisschen geheimniskraemerei luegen? dabei

ja, okay, okay, ich bin gespannt, wie du aussiehst, ob ich gelegenheit habe, zu wissen, wie du dich anfuehlst, einfach nur so, weil es spannend ist, weil es das spannendste ist, was ich gerade habe, sehr unangenehm, aber wahr.

daria und ich haben letztens zufaellig im park karl getroffen, karl, der mir gesagt hat, wie schoen meine augen seien, wie viel energie dahinter stecke, karl, der nicht dabei war bei meinem grossen abend aber in dem zeitraum in dem so viel seltsames passiert ist und der sich nie wieder bei mir gemeldet hat, nachdem ich, depressiv im zimmer sitzend, mit mueden augen, denselben wunderschoenen augen, traege vom gewicht meiner seele, seine einladung zum essen doch noch abgelehnt habe.

ich bin heute um sieben uhr irgendetwas aufgestanden ich versuche es, wirklich, es klappt oft nicht, aber ich versuche es jeden tag, ich lasse mich nicht unterkriegen und ich war den ganzen tag muede, aber jetzt nicht mehr, jetzt ist es halb eins und ich liege im bett mit dem kopf auf meinem pinguin und dem pinguin auf dem kissen und dem laptop auf den angewinkelten beinen die haut an haut aneinanderkleben und ueber denen die decke drapiert ist und zwar so, dass sie unter meiner brust anfaengt und meine arme und meinen rechten fuss frei laesst.

ja, vielleicht habe ich doch etwas zu sagen, wenn auch nicht viel, wenn auch nichts wichtiges, aber es ist ein bisschen, ein zukuenftiges relikt einer weiteren ungewissen zeit die auf ganz neue art seltsam ist und das ganz und gar nicht im positiven sinne.

fahrradfahren

Weil ich nicht darüber schreiben kann, wo ich bin, weil sich das nicht ändert, sollte ich vielleicht darüber schreiben, wo ich gerne wäre. Aber die seltsamen Geschichten, die einem das Leben oft so entgegen wirft, die kann man sich eigentlich nicht ausdenken.

Ich steige in der Dunkelheit auf mein Fahrrad. Weil es alt ist, und nicht besonders gut in Schuss, fällt mir das Treten schwer. Nach wenigen Metern stelle ich fest, dass ich meinen Helm vergessen habe. Ich überlege ein bisschen, entscheide mich aber schlussendlich dagegen, noch einmal umzukehren. Wozu?
Wenn ich nachts in den Straßen unterwegs bin höre ich absichtlich keine Musik. Nicht, weil ich denke, dass es gefährlich sein könnte. Sondern, um die Stille zu genießen. Die ganz besondere Stille, die nur an Orten vorkommt, die eigentlich immer lärmerfüllt sind. Nun, sofern es unter dem Rütteln und Klappern und Quietschen meines Rades eben still sein kann.
Ich fahre Richtung Zoo, wo die geräuschlose Nacht besonders laut ist. Unterwegs denke ich immer wieder über den Grund meiner Reise nach. Mein Handy vibriert. Mein Rock flattert mir um die Beine. Ich solle mir abgewöhnen, mit Rock Fahrrad zu fahren, sagt sie, aber mir ist das egal. Wenn es warm ist, trage ich einen Rock. Wenn es kalt ist, trage ich auch einen Rock, dann aber mit Strumpfhose. Gerade ist es zum Glück nicht kalt.
Geistesabwesend radle ich die Straße hinunter. Lichter huschen an mir vorbei. Es gibt vielleicht weniger Lärm, denke ich, dafür aber doppelt soviel Licht. Manchmal erregt etwas meine Aufmerksamkeit und ich drehe mich beim Fahren nach links und rechts um. Das ist eine Angewohnheit, die ich leider unabhängig davon, ob viele Autos unterwegs sind, habe, aber ich bin nichtsdestotrotz froh über die Abwesenheit potentiell tödlicher motorisierter Vehikel.
Wieder vibriert mein Handy. Aber alle Ampeln sind grün und ich habe gerade so ein fantastisches Fahrgefühl. Ein Gefühl von Freiheit und Schwung und Geschwindigkeit. Ich werde ihr sagen, dass ich gute Laune habe, nehme ich mir vor. Dass ich froh war über ihre Nachricht, auch, wenn sie seltsam ambig klang. Mich überholen ein paar Krankenwagen, die mit ihrem blauen Flackern und den schreienden Sirenen den dunklen Samtvorhang meiner Gedanken gewaltvoll beiseitewischen.
Nur noch einmal rechts, einmal links abbiegen, dann bin ich da. Als ich um die Ecke düse, mache ich mir eine mentale Notiz, dass hier ein neues Café aufgemacht hat. Das wird ihr gefallen. Wir könnten morgen dorthin gehen und einen Café Au Lait trinken, das ist ihr Favorit, und einen Carrot Cake frühstücken, mein Liebling, weil wir es können, weil Sonntag ist und sich niemand darum scheren wird, weil man das Leben auch mal genießen muss, und man sich mit diesen ausländischen Bezeichnungen für alltägliche Nahrungsmittel so wunderbar international fühlen kann.
Als ich nach zwanzigminütiger Fahrt etwas keuchend bei ihr vor der Tür stehe und klingele, bin ich optimistisch gestimmt. Die Zukunft, male ich mir aus, wird kaffeegetränkt und gemütlich sein. Ein verliebtes Lachen im Schneidersitz mit zurückgeworfenem Kopf auf einem buntgemusterten Teppich. Ich klingele noch mal.
Wo bleibt sie denn?

stromschnellen

und immer veraendern sich dinge. alles ist seltsam. ich fuehle mich, als wuerde ich achtlos vor mich hintreiben, hin- und hergeworfen von der stroemung. heute habe ich unter grossem emotionalen aufwand einen meiner 37264 jobs gekuendigt. ich hoffe, das war eine gute entscheidung. ich versuche, kleine quality-of-life-improvements durchzufuehren in meinem leben. zum beispiel, mein schreibtischstuhl hat jetzt filzgleiter unten dran. so konnte ich die schreckliche, viel zu kleine bodenschutzmatte in den flur verfrachten. so sieht es wenigstens so aus, als haetten meine schuhe einen konkreten platz. haben sie natuerlich nicht, weil ich noch kein schuhregal habe. aber die illusion ist da.

es faellt schwer, nicht pausenlos zurueckzudenken. an letztes jahr, vor zwei jahren, vor drei jahren. meistens war ich um diese zeit in sankt petersburg. ich glaube, 2015 war das letzte mal, das ich ende april in berlin war, und da war ich noch mit florian zusammen. eine ganz andere welt. und auch da waren wir kurz vorher in norwegen. ich stelle fest, dass das leben ohne reisen, feste und konzerte nicht besonders lebenswert ist. es ist fraglich, wie lange es sich das aushaelt. wann werde ich das naechste mal auf einer buehne stehen und meine drittklassigen texte vortragen? wann werde ich das naechste mal so tun, als wuerde ich eine bar eroeffnen, um mehr gratis weinproben zu erhalten? wann wieder einen fussballmusterfoermigen abdruck auf meinem gesicht haben? wann von komplett fremden menschen durch eine menge getragen werden?

ich habe nicht das gefuehl, dass mein leben auf irgendetwas zusteuert momentan. eher im gegenteil, es scheint von allem wegzusteuern. ich vermisse sankt petersburg. aber ein grossteil meiner freunde ist nun auch nicht mehr da. beergeek existiert nicht mehr richtig. all die dinge, welche die stadt so extra-besonders gemacht haben. und nichtsdestotrotz vermisse ich sie. der ueberfuellte nevsky mit seinen praechtigen fassaden. bars an bars gereiht auf der nekrasova. zum einkaufen in 37 verschiedene laeden muessen. nachts an der fontanka entlang laufen. sekt zum fruehstueck bei granola. ausgefallene gin-kreationen im do immigration. pizza bei 22. super abgeranzt neben super hipster. ein leben voller gewohnheiten, gemuetlichkeiten. ich hatte meine plaetze, meine orte, meine rituale; all das sind dinge, die mir in berlin fremd sind. und dinge, die in berlin immer schon weit weg waren, rein geographisch gesehen.

ach, russland, ich wuenschte du wuerdest nicht von einem despotischen autokraten regiert werden. das wuerde mein leben viel einfacher machen. vielleicht, in zwanzig, dreissig jahren, wenn putin (hoffentlich) nicht mehr unter uns weilt, gibt es eine chance. vielleicht. aber dann bin auch ich schon alt.

ich bin so muede und lebenslustlos. es ergibt fuer mich gerade wenig sinn, sich tag fuer tag durch den gleichen trott zu kaempfen. jede zukunft scheint universen weit weg.

irgendwo anders

ein anderes leben
auf einem anderen planeten:
in bars gehen
freunde treffen
feiern und tanzen
konzerte
festivals
lieben und lieben lassen
einkaufen ohne test und ticket
in russland leben
in die zukunft planen
im meer schwimmen
reisen
bei fremden im auto mitfahren
geschichten erzaehlen und zu erzaehlen haben
ausgehen
sich schick machen
theater, kino und ballett
neue leute kennenlernen
wagemutig sein
spontaneitaet
ueberraschungen

woher weiss ich noch, wer ich bin oder
ob ich bin?
es gibt nur noch:
arbeit und
uni und
arbeit und
uni und
arbeit und
uni und arbeit und uni und arbeitund uni und arbeitunduni

ich bin immer noch muede, aber nur noch grundlos

dass die monate wechseln erkenne ich nur noch an den kalenderspruechen

vorfreude ist gecancelte freude

die welt ist leer.

„Саша :)“

„Саша :)“ steht auf meiner Dose mit Vitamin D-Tabletten. Ich hatte sie kurz vor meiner Abreise von Freunden in Sankt Petersburg abgekauft. Ich wusste nicht, wo ich Vitamin D herbekomme und meine Dose war leer, weil ich deren Inhalt aus Versehen zu 73 % auf dem Boden verschüttet hatte. Und meine Freunde hatten noch eine große Packung übrig. Und sie sagten: Kein Problem, komm her, du kannst es mitnehmen. Und sie schrieben „Саша :)“ auf die Dose, damit niemand vergisst, dass es meine ist.

An dem Abend hatte ich sie natürlich trotzdem vergessen. Die Vitamine wurden mir erst einen Tag vor meiner Abreise überreicht. Das Ganze ist nun circa zwei einhalb Monate her. Mittlerweile sind sie mit mir in Berlin und stehen auf der Arbeitsfläche in meiner Küche. Ich hebe die Dose hoch und schütte mir zwei winzige weiße Tabletten in die Hand. Dann trinke ich einen Schluck Wasser aus meiner gelben Trinkflasche und schiebe mir die erste Tablette in den Mund, schlucke, mehr Wasser, dann die Zweite. Ich betrachte das Etikett. Das „Саша :)“ hat sich schon ein bisschen abgenutzt, es ist nun kaum mehr zu erkennen. Das kommt mir sehr metaphorisch vor. Auch meine Zeit in Sankt Petersburg scheint zu verschwimmen, die Erinnerungen wirken abgenutzt. Es kommt mir vor wie eine Ewigkeit, dass ich dort gewohnt habe. Das Leben in Deutschland ist doch ertaunlich schnell wieder in seine gewohnten Bahnen gefallen – sofern das eben möglich ist.

Nichts

Auf der Fensterbank sitzen, Donuts in Herzchenform essen, Kaffee trinken, ruhig sein.

Breaks and Boundaries

Ich sitze also wieder in Berlin und viel hat sich geändert. Vorgestern habe ich mich nach fast drei Jahren von meinem Freund getrennt. Darüber muss ich natürlich erst einmal meine Gedanken zu Papier bringen.

Die Entscheidung war nicht einfach, aber sie war richtig. Davon bin ich überzeugt. Gestern hatte ich ein langes Gespräch mit einer Freundin über anxiety und gaslighting und Bindungsprobleme und natürlich hat all das den Nagel auf den Kopf getroffen. Man sollte nicht langfristig in eine Beziehung investieren, in der man keine Gefühle haben und zeigen darf.

Wie dem auch sei. Ich bin immer noch dabei, meine Wohnung einzurichten. Mittlerweile habe ich seit ein paar Tagen ein Bett. Das macht die ganze Sache schon einmal wesentlich gemütlicher. Nun fehlen noch hauptsächlich gemütliche Sitzmöbel und Computerkram. Aber alles zu seiner Zeit.

Ich fühle mich seltsam mit mir im Reinen, zumindest momentan. Ich versuche, früher aufzustehen und jeden Morgen Yoga zu machen. Das Aufstehen funktioniert nicht immer so gut (es ist eigentlich ganz witzig, Montag und Dienstag schaffe ich es fast immer, Mittwoch habe ich ein großes Tief und snooze meistens lange rum, Donnerstag fange ich mich wieder ein bisschen, Freitag na ja), das Yoga dafür ganz gut. Ein mal habe ich versucht, mich zum Laufen zu überreden, indem ich meine Laufklamotten direkt neben das Bett gelegt habe. Das war der Tag, nach dem ich mich getrennt hatte, also habe ich mich nicht dazu aufraffen können. Aber bald vielleicht.

Ich bin sehr zufrieden mit meinem Job und mit der Uni auch. Ich mache wieder Dinge, die mir Spaß machen. Ich habe so etwas wie einen Rhythmus gefunden und auch, wenn es manchmal stressig wird, habe ich doch das Gefühl, nicht permanent völlig in Arbeit zu versinken.

Ich arbeite an mir selbst und an meinen Grenzen. Manchmal nehme ich mir den Morgen frei, um mit Ansgar auf meiner Fensterbank zu sitzen und Croissants zu essen. Warum sollte ich mir das nicht gönnen dürfen?

Es stimmt doch, dass die Gelassenheit mit dem Alter kommt. Nun bin ich zwar noch nicht mal 30, aber der Unterschied zwischen 20 und fast 26 ist doch gewaltig. Ich habe nicht mehr dieses eindringliche Gefühl, Berge versetzen und alle und vor allem mich selbst beeindrucken zu müssen. Das hilft auf jeden Fall, sich weniger ruhelos zu fühlen – obwohl ich natürlich sehr gerne mal wieder verreisen wollen würde.

Das Foto oben stammt aus einem Spaziergang um den Tegeler See. Natürlich macht man das jetzt viel, mit Corona und so, spazieren gehen. Aber zu zweit ist es doch ganz nett. Es nimmt auch den Druck, seinen Gästen zu Hause etwas bieten zu müssen.

Ich freue mich ein bisschen darauf, Zeit mit mir selbst und meinen eigenen Sorgen verbringen zu können – ohne dabei immer jemand anderen im Hinterkopf zu haben.

Entspannung ist alles.

Neujahrsgedanken

Blaue Nacht wabert um mich herum. Es ist ungewöhnlich leise heute in meinem Apartmentblock. Die Stille inspiriert mich zum Nachdenken.

Ich sitze auf einer Matratze auf dem Boden, die neben einem aufgebauten Bettgerüst steht. Das Lattenrost ist noch nicht da. Das Bett steht triumphal neben mir, als würde es mich verhöhnen.

Mein Fenster ist ein Bilderrahmen, perfekt quadratisch, mit Ausblick auf das nächste Haus und einen kahlen Baum. Ob im Frühjahr die Blätter und Blüten die Fenster gegenüber verschleiern?

Mein Seelenleben ist seltsam leer. Ich bin aufgewühlt, aber zu beschäftigt, um mich dem Gewühl zu stellen. Also lasse ich meine Gefühle lieber im Abguss verschwinden.

In Sankt Petersburg sind Proteste, ich bin nicht da.
In Sankt Petersburg ist Schnee, ich bin nicht da.

Der Gedanke, dass ich nie wieder zu meinem gemütlichen, russischen Zuhause zurück kann, weil dieses gemütliche, russische Zuhause nicht mehr existiert, wiegt schwer in mir. Ich versuche, der Existenzlosigkeit entgegenzukaufen, aber nur mit bedingtem Erfolg.

Wo ich wohl wäre, ohne Corona?
Was ich wohl tun würde, ohne Corona?

Unbekannt Verzogen

In Berlin laufen die Touristen
nicht mehr
am Brandenburger Tor vorbei.
Die Touristen sind
nicht mehr vor dem Reichstag
und sie versperren mir auch nicht weiter
den Weg zur Uni.
Die rastlosen Reisenden verstopfen
nicht mehr
den Alexanderplatz und fragen
nicht mehr
nach dem Weg zu Primark.
Ich musste schon lange
keine Fotos mehr machen
für Fremde vor dem Berliner Dom.
Die neue Geschäftigkeit
zeigt sich am Einkaufswagengetummel im Supermarkt.
In Berlin
sind die Straßen leer
und die Gesichter der Menschen noch leerer.
In Berlin
ist es still in den Cafes
still in den Bars
und still auf den Tanzflächen.
In Berlin
hat der Herzschlag Pause
und die Herzlichkeit auch.
Bin ich hier richtig?
Bin ich die einzige, die sich das fragt?
Ich habe schon lange niemanden mehr gesehen.