Mundanes

Als wir in der Bahn saßen nach dem Kino und ich auf deine dunkelgraue Stoffhose geschaut habe, habe ich gedacht: Ich ertrage das nicht mehr, dass ich dich schon wieder so gut kenne. Ich will dich anschreien und weggehen, dich einfach sitzen lassen und nie wieder kommen. Stattdessen konzentriere ich mich auf die Punkte des Bahnsitzmusters. Weil ich weiß, dass ich nur 10 Stunden vorher, beim Aufwachen, gedacht habe: es gibt nichts Schöneres, als morgens zuerst dein Gesicht zu sehen. Und dass ich dachte: ich liebe es, dich immer besser und besser zu kennen. Aber das ändert nichts an dem Gefühl in dem Moment, in dem ich auf deine Beine schaue. Ein falsch platziertes Stückchen in meinem Gefühlsmosaik, das man nicht mehr verschieben kann, weil es längst angeklebt ist. Und wie soll man das auch einem Menschen klar machen, dass diese Gedanken koexistieren, das bleischwere Nicht-Ertragen-Können und das Samtweich-Verliebt-Sein? Dass ich mich einerseits freue auf die Millionen mundanen Momente, die uns noch bevorstehen und mir andererseits nichts Schlimmeres vorstellen kann, als noch einen weiteren vorhersehbaren Abendausklang?

Wir waren dann noch im Restaurant gegenüber, anstatt etwas zu kochen, wie eigentlich geplant, und irgendwie hat das geholfen. Und ich wollte dir so viele Dinge sagen, aber ich konnte nicht. Nicht, weil ich nicht wusste, wie, oder weil ich Angst vor deiner Reaktion hatte, sondern, weil ich dachte: warum? Was hast du, was haben wir davon, wenn ich dir das jetzt erzähle? Warum musst du das über mich wissen? Nur um zu verstehen, warum ich gerade so schaue? Was ist daran so wertvoll?

Das Letzte, was ich will, ist, dass wir getrennte Wege gehen; manchmal denke ich, ich würde daran zerbrechen, wenn ein solches Ereignis auf meinen aktuellen Gefühlszustand träfe. Aber auch, weil ich wirklich überzeugt von uns bin. Und trotzdem ist da immer wieder dieser Teil in meinem Kopf, der sich denkt Ich halte es nicht mehr aus. Ich weiß natürlich, dass der Teil unrecht hat, aber es ist so gottverdammt anstrengend, permanent gegen sich selbst argumentieren zu müssen.

Ich liebe dich, ich weiß das, wenn es eine Sache in meinem Leben gibt, die mich gerade stets zuverlässig glücklich macht, dann bist du das, und trotzdem immer wieder die gleiche Diskussion mit mir selbst. Dabei gäbe es wirklich nicht mal irgendetwas Reales an dir auszusetzen, nichts schlimmes, wirklich nichts, was über Menschen sind Menschen hinausgeht.

Ich bin so ausgelaugt, so müde, so kaputt, ich will einfach nur schlafen, will, dass mein Kopf mir Ruhe gibt, will einfach zufrieden und von weltlichen Dingen gestresst sein, nicht von imaginären Speerspitzen.

Gleiches Off

Ein Jahr. Spannend. „20:00 sturmfrei bei T.“ stand in meinem Kalender. Ein Quartett aus Osteuropastudierenden, Bier und Cards Against Humanity. Und eine Woche später der Gedanke: Naja, der Kumpel da von H., der war schon irgendwie cute. Vielleicht frage ich mal nach seiner Nummer, was habe ich zu verlieren? Auf genug seltsamen Dates war ich ja in letzter Zeit, was ist da eins mehr oder weniger? Immerhin sieht er gut aus, wenn es zu sonst nichts reicht. Und ein Jahr später der Gedanke: Ich weiß nicht, wie ich dir begreiflich machen soll, wie sehr ich dich liebe; jedes Mal, wenn ich dich anschaue, wenn wir miteinander schlafen, wenn du mich ganz fest drückst und mein Herz vor Gefühlen nur so überschwappt wie eine überfüllte Badewanne voller Zuneigung.

Und gleich gehen wir ins Kino, ins gleiche Kino wie damals, lustigerweise, auf unserem zweiten Treffen, aber damals haben wir Matrix geschaut und es hat draußen ganz fürchterlich geschneit und wir haben uns nicht getraut, uns zu berühren, bis deine Hand ganz langsam Kinosesselarmlehnenzentimeter für Kinosesselarmlehnenzentimeter in meine gewandert ist und ich hatte dir damals geschrieben „Ich hoffe, du hast deine Handschuhe eingepackt!“ und du hast geantwortet „Schneebälle formt man sowieso besser mit den Händen“ und ich war so positiv überrascht, dass du mich sofort verstanden hast, dass ich A. schrieb: ich hab da ein sehr gutes Gefühl. Und dann waren wir spazieren nach dem Kino, im Schnee, im Park, irgendwo in Neukölln, letztendlich doch Hand in Hand und ich stand vor einem Stein und du hast gefragt: „Möchtest du da hoch?“ und ich hab gegrinst und genickt und du hast mir deine Hand hingehalten, um mir aufzuhelfen, und ich dachte: ich hab da ein sehr gutes Gefühl.

Und jetzt sitze ich hier und denke. Und natürlich komme ich nicht umhin, manchmal zu vergleichen. Du hast letztens gesagt: Als wir dann bei dir zu Hause waren, habe ich erst gemerkt – du bist doch ganz schön betrunken. Da hätte ich ein schlechtes Gewissen gehabt, irgendetwas zu tun. Ich musste mich eben daran erinnern, wie D. einmal meinte, er hätte mit einer geschlafen, die so betrunken war, dass sie auf ihn gepinkelt hat. Green flags, red flags. Ich dachte mir das damals schon, aber im Kontrast wirkt es noch viel mehr, logisch.

Fragility

Nothing better than a good old cleansing mental breakdown after a party. Bonus points if your usually admiringly stable boyfriend somehow joins in.

Die Woche war seltsam. Sie startete mit meiner Mutter, was naturgemäß nie etwas Gutes verheißt. Dann zwei Tag im Büro mit allen anwesend, jeden Tag beschäftigt, viel vor, umtriebig. Und das Wochenende auch, wenig Schlaf, viel unterwegs. Und Donnerstag, Freitag dann einfach nur schlafen, schlafen, schlafen. Freitag, dieser seltsame Abend.

I see that something’s been brewing on your mind since we met on Wednesday”, he says and all I can think is: has it? Well if he says it it must be true? And then I remember all of D.’s little tricks and the way he made me believe I was in love and desperate for this relationship for almost five years until I completely forgot who I was and what I wanted. The only thing I am really desperate for is for someone to tell me what’s going on, how to figure this life thing out.

Und ich denke wirklich darüber nach: will ich das jetzt? Ich weiß sofort, es ist es mir nicht wert, aber ist da ein Teil von mir, der enttäuscht darüber ist, dass ich sage: du musst jetzt gehen? Flirten macht Spaß, klar, das vermisse ich manchmal ein bisschen. Und, sicher, neue Personen auszuprobieren ist aufregend. Aber in dem Moment bin ich vor allem eines: gestresst. Weil ich nicht will, wirklich nicht, auch nicht, wenn jemand mir erzählen möchte, er wüsste, was ich will – will ich nicht. Weil ich bereits alles habe, was ich brauche, und der Gedanke, dass sich R. so fühlen könnte wie ich in dem Moment, in dem D. mich morgens um halb sieben aus A.s Sofa klingelt, zerreißt mir die Seele.

Loving someone is scary, sage ich. Was soll ich denn sagen?, sagst du und klingst dabei – schrill. Kein Adjektiv, das ich normalerweise mit dir verbinde. I found a weak spot, I think, and immediately feel bad about it. I don’t mind knowing your weak spots, I just don’t want to use them. Even to me, just thinking it, it already sounded manipulative.

Loving someone is scary, exactly because of this. It makes me vulnerable. It makes me dependent. It shifts control from my hands into yours — that’s the worst part. Maybe I haven’t properly loved in a while, had forgotten what it’s really like.

I’m sitting on the countertop in my kitchen, legs stretched out to the sink in front. Crying hysterically, and my only thought is I’m broken, I’m broken, I’m broken, not just fragile, straight up broken beyond repair. And I see that you’re not feeling well, either, and I want to help you, say something, do something, but I’m trapped in my thoughts and the only way I know how to deal with it is leaving. And now you’re helping me, and I’m thinking you shouldn’t have to do this. I don’t want to reverse everything to be about me.

Ich möchte dir so viele Dinge sagen, alles mit dir teilen, in meinem Kopf ist es immer so einfach. Hier: ich lag heute im Bett und habe mir vorgestellt, wie du später zurück kommst, ich deinen Kopf in meine Hände nehme und sage: You’re beautiful and I love you. You drive me crazy with passion and desire, and there are not enough words in my vocabulary to accurately describe my feelings for you. Und plötzlich öffnet sich die Tür und ich fühle mich doch noch nicht bereit, du klopfst und ich laufe ein paar Schritte auf dich zu, du sagst irgendetwas und der Mut, dir meine Gedanken mitzuteilen, ist verflogen, bevor er sich überhaupt aufbauen konnte.

I did tell him that I loved him in the morning, when I was drunk and he was drunk and we were dead tired already and he did say it back, but does he remember? He probably does, but I guess it doesn’t matter to him – it’s just words. Those are my world, not his.

Starren in Kerzenlicht

Loch. Schwarz. Groß. Gerade so: warum aufstehen? Warum essen? Warum Uni? Warum arbeiten?

Eisentabletten gegen innere Leere, aber mit Eisentabletten kann man nicht alles behandeln.

Ich liege im Bett. Ich liege auf der Couch. Ich sitze vor dem Computer und starre auf den Monitor. Ich schreibe oft: sorry, schaffe ich nicht. Sorry, kann ich nicht. Und bleibe liegen.

Und ich sage: ok. Und: Ok. Und: Okay. Weil mir alles egal ist.

Kohlmeise, Eichelhäher, Seidenschwanz, Kernbeißer, Goldammer, Erlenzeisig, Kleiber, Haubenmeise. Pick, Pick, Pick.

Rotpunsch, Fenchel-Anis-Kümmel, Schwarzer Tee, Ausflug auf den Gewürzmarkt, irgendwas, irgendwas, irgendwas. Schmeckt sowieso alles gleich.

Dezember, ein Leben in Adventsschleifen.

Los, denke ich. Nein, denke ich. Und mache: nichts. Manchmal ein kurzer Motivationsschub, große Überraschung. Dann Starren. Auf den Monitor, auf Kerzen, auf den Boden, aus dem Fenster, in die Nacht.

Zu spät auf der Arbeit, mir egal. Unikurs verpasst, mir egal. Nachbarn schreien, mir egal. Wenn alles zu viel ist, ist nichts genau das richtige.

Sorry, ich kann gerade nicht. Bin nicht verfügbar. Kein Anschluss unter dieser Person. Auf unsichtbar. Momentan nicht erreichbar.

Es dreht sich und dreht sich und dreht sich alles, bis ich kotze, ein Karussell, im Kreis, von Fliehkräften bewegungsunfähig an den Rand gepresst. Das ist ein gutes Bild und wenn es wirklich so wäre wie diese Metapher, wüsste ich, wann es aufhört, aber ich weiß nicht, wann es aufhört.

D. hatte letztens Geburtstag und ich hatte es bis vor Kurzem völlig vergessen, habe nicht an ihn gedacht. Da habe ich mich ein bisschen schlecht gefühlt. Er hätte ja sowieso nicht gewollt, dass man ihm gratuliert, aber ein bisschen Denken, das hätte man schon tun können.

Wir sitzen auf der Couch und wir reden und reden und reden und reden und es wird nie langweilig. Wir reden, bis wir ins Bett gehen und dann reden wir noch ein bisschen weiter. Früher haben wir mehr geschwiegen, warum? Ich glaube, ich habe mich viele Dinge nicht getraut, dir zu sagen. Du vielleicht auch nicht. Wir haben fünfzehn Minuten darüber diskutiert, dass wir in Polnisch in einem U sitzen. Das hätten wir vielleicht nicht gemacht. Ich hätte dir keine Belanglosigkeit aus meinem Alltag erzählt, und du hättest dich nicht getraut, mich zu unterbrechen, um dich über meine Art lustig zu machen. Es ist schöner so, wie es jetzt ist. Ich habe nichts gegen Schweigen, aber ich mag es, zu sehen, dass du dich mit mir wohl fühlst.

Gedankenschleifen

Es ist schon seltsam, wie kleine Dinge einen manchmal in scheinbar bodenlose Gedankenschleifen werfen können. Gerade gestern noch habe ich geschrieben, dass es mir gut geht, im Moment. Das stimmt auch größtenteils, aber natürlich gibt es zwischendurch immer diese Augenblicke, so wie jetzt.

Und ich möchte dich gerade in den Arm nehmen und dir sagen, wie dankbar ich für dich bin. Nicht nur dafür, dass du für mich da bist. Sondern auch dafür, dass du mir nicht das Gefühl gibst, mich aushalten zu müssen. Dass du mir nicht zeigst, wie schwierig ich bin, dass du mich nicht einmal für besonders schwierig hältst.

Berlin, dunkel. Die billige Leuchtreklame des Hotels gegenüber kreiert zusammen mit dem grell knisternden Weiß der Straßenlaterne ein Feuerwerk in meinem Zimmer. Wenn ich aus dem Fenster schaue, kann ich immer noch ein paar rote Blätter erkennen, die matt im Licht schimmern. Es ist kalt geworden, aber der Herbst ist noch nicht vorbei. Noch erinnern die warmen Farben schwach an sonnige Tage. Ich sitze im Bett und höre meinen Nachbarn dabei zu, wie sie laut durch ihre Wohnungen schlurfen. Eine Tür knarrt. Wasser rauscht durch die Heizungsrohre. Irgendwo spielt jemand Techno. In Berlin spielt immer irgendjemand irgendwo Techno. Mir ist nach Abenteuern zumute, nach Erlebnissen, Aufregung. Nach flüchtigen Bekanntschaften und hastig bereuten Fehlern. Nach Straßenschildern für die WG-Küche klauen und Verkehrsberuhigung für den Kiez. Ich möchte mit fingierten Bars kostenlosen Wein abstauben und obdachlose Saxofonisten auf Hausparties einschleusen. Will, dass meine Mitbewohnerin nachts um 3 nach Hause kommt und als erstes die Glühbirne wechselt. Sehne mich danach, mit Straßenmusik 50 Cent zu verdienen und diese kurz darauf beim Kokstaxi auszugeben, um die ganze Nacht gitarrespielend in Neukölln auf dem Balkon zu sitzen. Vermisse es, Baugerüste zu erklimmen und ruinöse Häuser und verlassene Fabriken zu durchstöbern. Ich kann mir nicht vorwerfen, nicht genug erlebt zu haben, aber jetzt sitze ich hier und lausche meinen Nachbarn und denke. Und denke. Und denke.

:)

Ich fragte mich gerade: wie fange ich meinen nächsten Blogeintrag an? Und ich dachte: “Alles ist gut“. Ich weiß nicht, ob wirklich alles gut ist. Vielleicht schon. Ich warte auf mein Bafög, aber es ist bisher auch ohne seltsam okay. Heizkostenzuschuss sei dank. Darum mache ich mir gerade überraschend wenig Sorgen.

Ich wünschte, die Leichtigkeit, mit der ich diese Zeilen tippe, würde sich auf die Arbeit an meiner Masterarbeit übertragen. Aber man kann nicht alles haben. Es geht voran, ein bisschen, denke ich.

“Aber schon normale Croissants, oder?“, sagst du. Wir machen ein Croissant-Tasting. Drei verschiedene Läden mit drei verschiedenen Croissants. Ich weiß nicht, warum, aber es ist wieder einer dieser Momente, in denen ich mir denke: :). Wir sitzen am Tisch und platzieren je eine Croissanthälfte auf den jeweiligen Tüten und die andere Croissanthälfte, spiegelgleich, damit wir sie nicht verwechseln, auf meinem Teller. Mit halbseriöser Miene probieren wir uns durch die Berliner Croissantwelt. Welches Gebäck gewinnt, ist am Ende gar nicht mal so wichtig (gut, dass es das von nebenan ist). Was zählt, ist, dass wir unseren Alltag ständig mit kleinen Dingen verschönern. Wir brauchen keinen Grund, um uns zu sehen, aber finden trotzdem immer einen, um unsere Treffen besonders zu machen.

I‘m so in love with all these little things you do. Collect sea shells, steal pine cones, jump in front of a broken seismograph, help me climb up a rock, go on an ice cream tour, discuss how to steal 100,000 geese, hold me real tight sometimes. I really wish I could tell you, maybe. It‘s been 10 months and I still get giddy when I‘m around you.

Bald ist Halloween, also wollten wir einen Kürbis schnitzen. Wir wollten einen Kürbis schnitzen, weil ich breit im Supermarkt einen Karton voller Riesenkürbisse gesehen habe und dir ganz aufgeregt ein Bild geschickt habe. Wir wollten auch ins Museum gehen. “Wir können uns ja dort inspirieren lassen, ich finde, ein expressionistischer Kürbis hätte auch etwas“, sagst du. Und ich denke wieder: :). Also überlegen wir uns angestrengt, wie ein expressionistischer Kürbis aussehen könnte, und entscheiden uns hinterher aus Mangel an Talent für ein einfacheres Motiv.

Nach dem Museum und zwei Glas Wein kommen wir nach Hause, draußen ist es dunkel. Wir stehen in der Küche, “Willst du noch was trinken?“, nicken, unsere Blicke fallen zeitgleich auf den Kürbis. “Was machst du morgen?“, frage ich, du lachst und sagst “Ich sehe, wir verstehen uns“. Und ich denke wieder: :).

Auf Usedom

Im Urlaub – so richtig, ganz entspannt, zu zweit, in einer Ferienwohnung, mit so etwas wie einem Plan, irgendwie erwachsen. Irgendwie fühlt es sich gut an. Ich sitze im Bett und schreibe an der Abschlussbroschüre für mein Projekt, R. sitzt am Tisch und feilt an seinem Projektbericht. Stille, Tippen, zwischendurch eine Frage nach Synonymen oder ein verzweifeltes Seufzen. Co-working oder so.

Heute war schön, es gab viele Gefühle. So viele Gefühle, dass ich eben beim Abendbrot kurz durchatmen musste, Pause machen musste, meine Mimik entzerren musste. Den ganzen Tag mit einem anderen Menschen verbringen heißt auch, den ganzen Tag sein Gesicht aufzuhaben.

Nur du und ich und niemand sonst in dem ganzen sumpfigen Vogelreservat. Es flattert und zwitschert um uns herum, in der Ferne fahren Schiffe auf der Swine. Wir stehen auf einem verlassenen Aussichtsturm und schauen uns die leere Landschaft an. Du nimmst mich in den Arm, schaust mich an, ich denke: ich liebe dich. Ich küsse dich oder du küsst mich, ich muss mich auf die Zehenspitzen stellen, ein bisschen zumindest, du lachst, ich lache und denke: ich liebe dich. Du schließt deine Augen und legst deine Stirn auf meine Stirn und nimmst mein Gesicht in deine Hände, ich drücke dich etwas fester und denke: ich liebe dich. Sag ich es dir oder sag ich es dir nicht? Ich will den Moment nicht ruinieren, indem ich dir Angst mache. Stattdessen sage ich: Schön mit dir hier. Du reagierst nicht. Was sagt man dann?

Morgen ist noch ein Tag und dann müssen wir schon wieder los. Wir haben noch nie so viel Zeit miteinander verbracht und ich bin fasziniert davon, wie harmonisch es läuft.

Ich rede ein bisschen über Menstruation und die Angst, schwanger zu werden, du wechselst schnell das Thema. Wir müssen auch über solche Dinge reden, wir müssen überhaupt über solche Dinge reden, wir müssen viel mehr reden. Aber es ist so schön und ich fühl mich so wohl und ich bin so glücklich und zufrieden und ich will einfach nur, dass alles für immer so bleibt und nicht anders.

Es ist manchmal echt schwer, alles immer verbalisieren zu wollen – manchmal ist es vielleicht einfach unnötig. Aber ich würde mich trotzdem besser fühlen.

Jetzt oder nie

Wir fahren am Wochenende nach Usedom. Ich bin aufgeregt. Eigentlich bin ich schon aufgeregt, seitdem wir das beschlossen haben, aber ich habe es vor mir selbst natürlich erst nicht zugegeben. Aber jetzt kann ich das Gefühl nicht mehr ignorieren.

Wir fahren also in den Urlaub, zu zweit, und ich kann mir keinen Grund vorstellen, warum es nicht wunderschön werden sollte und das macht mir Angst. Es soll regnen. Ich denke: gut, dann bleiben wir zwei Tage lang im Bett. Wir sind zusammen. Sogar darauf würde ich mich freuen. I am setting myself up for disappointment.

Er hat mir eine Postkarte geschrieben, in der er sagt, dass er sich darauf freut, wenn wir uns bald wiedersehen. Er sagt nicht: können.

Ich rufe ihn betrunken vom Festival an. Ich sage: ”Irgendwann wird sich unsere Kommunikation schon einpendeln!” er sagt: ”Das ist alternativlos”. Natürlich ist es nicht alternativlos, denke ich, wir können uns auch trennen. Das scheint ihm nicht einzufallen oder es scheint keine Option zu sein. Er ist sich der Zukunft so sicher – wir werden uns sehen, wir werden unsere Kommunikation verbessern – dass ihm unliebsamere Szenarien gar nicht in den Kopf kommen.

I want to tell you that I love you but I don’t know how.

Und ich freue mich immer noch darauf, dich besser kennenzulernen, freue mich vielleicht auch deswegen so auf den Urlaub, weil wir endlich mehr Zeit zusammen haben werden. Ich freue mich darauf, gemütlich mit dir zu werden, freue mich darauf, wenn die Aufregung weg ist und die Zuneigung, Sicherheit, Comfort bleibt. Freue mich, neben dir zu schweigen und deine Anwesenheit zu genießen, ohne das Gefühl zu haben, das meiste daraus machen zu müssen.

Verträumt

Ich habe heute etwas Seltsames geträumt. Es war von vornherein in Englisch, was mich eigentlich hätte stutzig machen sollen.

Also. Ich habe geträumt, R. und ich lägen im Bett. Plötzlich setzte er sich auf und sagt ”I love you”, er hat das noch nie gesagt, er hätte auch keinen Grund, das auf Englisch zu sagen, also war ich aufgeregt, aber nicht misstrauisch. Ich vergrabe meinen Kopf in seinem Bauch, lache und sage ”I love you too”. Dann verwandelte sich R. auf einmal in D., aber es schien mir so normal zu sein. Ich war schließlich an ihn gewöhnt. Und ich dachte: oh nein, ich wollte das doch eigentlich nicht mehr. Wie bin ich nur hier wieder gelandet? Es fühlte sich so an, wie aus einem Traum aufzuwachen – nur eben im Traum. Hatte ich das Alles nicht längst hinter mir gelassen? Ein bisschen hatte ich sogar Angst. Oh nein, dachte ich. Nicht schon wieder. Irgendwann hat mich dann schließlich die Realität wieder eingefangen und ich konnte D. wieder hinter mir lassen. Dann bin ich aufgewacht. Neben R., natürlich.

Ich schau dich an, du schaust zurück, und wir liegen nur so da, schauen einfach, reden nicht. Schließlich frage ich ”Was denkst du?” und du lächelst und sagst ”Dass ich gerade sehr zufrieden bin, hier zu sein und nicht irgendwo anders.” Ich lächle zurück und sage ”Ich bin auch sehr zufrieden, dass du hier bist.” Wie schön du bist, denke ich. Meine Augen wandern über die Karte deiner Haut, und jede Imperfektion macht dich noch schöner.

”Manchmal habe ich das Gefühl, ich falle mit den Gedanken von einer Kante und komme nicht mehr hoch.” ”Was würde dir denn dabei helfen, wieder hoch zu kommen?” ”Ich weiß nicht. Ich glaube, das hat mich noch nie jemand gefragt. Essen, vielleicht. Essen hilft immer.” ”Und dann musst du dir trotzdem einen Wecker stellen, um das Essen nicht zu vergessen?” ”Na ja, nur, weil es hilft, heißt das nicht, dass ich es auch schaffe, das zu tun.” ”Hm.” ”Was überlegst du?” ”Was es für Soulfood gibt, das wir in deinem Tiefkühler lagern können. Bolognese könnte ich machen.”

That you listen to me without judging, without pitying or not believing me is probably my favorite thing about you. That you’re still happy to see me even if I barely spoke to you all day because I was in a mood and trying to figure out what’s wrong.

Es ist spannend, zu beobachten, wie sehr ich versuche, Streit zu vermeiden und stattdessen mehr nachzudenken, wie ich klar kommunizieren kann, was mein Problem ist. Mir war klar, dass ich nicht unglücklich bin, weil du mich nicht zu deiner Party eingeladen hast, aber normalerweise hätte ich mich trotzdem erst aufgeregt und dann später herausgefunden, was mich eigentlich stört. Mit dir ist das anders. Ich hoffe, das bleibt so.

Titel hier eingeben

Ich vergesse manchmal, wie gut Yoga tut – auch mental. Das klingt vielleicht esoterisch – das kann man bei Yoga nie so ganz vermeiden – aber die Konzentration auf die Übungen, meinen Atem, das Ziehen in meinen Bändern hilft, mich zurück in den Moment zu finden. Also habe ich danach heute beschlossen: ich werde jetzt gesund. Ich habe mein Bett bezogen, Bär und Peng gesäubert (soweit man die beiden überhaupt noch säubern kann), eine Wäsche angeschmissen, ein bisschen aufgeräumt. Ich müsste dringend auch die Wohnung putzen – das stand letzte Woche an und ist natürlich liegen geblieben. Aber jetzt muss ich doch erst einmal Pause machen.

Ich bin überrascht davon, wie gut ich die Einsamkeit in den ersten Tagen doch weggesteckt habe. Gut, Freitag hatte ich einen kleinen Oh, fuck. Oh, fuck.-Moment. Aber Samstag und Sonntag waren okay und das, obwohl ich so viel verpasst habe dieses Wochenende (unter Anderem das My Chemical Romance Konzert, auf das ich mich seit zwei Jahren gefreut hatte. Na ja.). Montag ging es dann physisch bergauf und mental rapide bergab, aber mit R. zu reden hat irgendwie geholfen. Er hat nicht mal groß Dinge gesagt oder getan, die ich als besonders unterstützend empfunden hätte. Aber er hat immer diese beruhigende Wirkung auf mich, selbst, wenn er gar nicht da ist. Sehr seltsam. Er ruft mich gerade jeden Tag an, um zu schauen, wie es mir geht. Und ich freue mich da sehr drüber, obwohl ich gleichzeitig denke: wirklich? Sollte das nicht selbstverständlich sein? Ihr seid doch jetzt schließlich zusammen.

Aber lieber nicht zu viel erwarten.

Das ist überhaupt auch so seltsam: seit unserem Gespräch am Mittwoch, an dem wir das beschlossen hatten (mit Logik, genau), habe ich ihn nicht mehr gesehen. Deswegen fühlt es sich auch noch nicht so ganz real an. Wahrscheinlich muss man sich daran auch erst einmal wieder gewöhnen.

Ich habe letztens einen interessanten Vergleich gelesen. Obwohl, ich weiß nicht, ob es wirklich ein Vergleich war, aber es erinnerte mich daran — emotional permanence. Hab ich nicht, glaube ich. Wie Babies, die nicht verstehen, dass ein Objekt noch da ist, nur weil etwas davor geschoben wurde — kann ich mir nicht vorstellen, dass Gefühle noch da sind, wenn ich sie nicht wahrnehme. You said you loved me yesterday, but that doesn’t mean you love me today, even though nothing has changed. In a similar vein: I cannot imagine this empty feeling of helplessness to ever end, although I’ve felt it before and it has ended before. Die Frage ist: hält die Theorie mit positiven Gefühlen? Sometimes when I’m on a high I think that’s it, I’m gonna turn my life around, everything will be way more organized from now on. Also: I cannot imagine ever not liking you. Vielleicht also schon.

Meine Schwester wollte tatsächlich mit mir Wandern gehen am Wochenende. Sie, ich, L. Mini-Familienausflug. Schade, dass das jetzt wahrscheinlich nichts wird. Ich hatte mich darauf gefreut – es wäre schließlich auch das erste Mal gewesen. Mama kann ich morgen nicht abholen vom Bahnhof, R. sehe ich frühestens Ende nächster Woche irgendwann wieder.

Aber hey, meine Tomatenpflanze hat Blüten.