Nimm dir mehr!

Petersburg ist so ziemlich das verschneite Äquivalent Londons. Der Himmel ist pausenlos grau, Wolken ziehen ihrer Wege, Kassiererinnen sind immer schlecht gelaunt. Inzwischen ist der Schnee dem Eis gewichen und die Leute blockieren ständig mit ihrem Hintern den Bürgersteig. Es ist auch kälter geworden, aber mir persönlich ist es ziemlich egal, ob jetzt -8 oder nur -1 Grad herrschen, kalt ist kalt. Nach einer Woche bin ich mit den Briten noch keinen Schritt voran gekommen, obwohl mir eine meiner Kursmitgliederinnen gesagt hat, mein Pullover sei schön – das muss man vielleicht auch als Erfolg sehen. Ansonsten war ich gestern mit dem Ami, dem Texaner und dem Spanier in einem Restaurant, das „der Zar“ hieß und das wir hauptsächlich besucht hatten, weil das Gerücht umging, die Toiletten dort seien so schön (waren sie wirklich. Eingebettet in einen Thron in einem Raum voller pornografischer Malereien, deren pikanteste Stellen mit hübschen grellgrünen Blättern überdeckt waren). Im Zar konnte man einen Granatapfelsaft für 1000 Rubel (c.a 12€) oder heiße Schokolade für 350 Rubel (ca. 4,50€) bestellen. Ich habe mich für die heiße Schokolade entschieden, aber sie war nicht besonders atemberaubend. Dafür war die Bedienung nett und am Ende meines Aufenthaltes durfte ich auf einem Thron sitzen und die Herrschaftsinsignien in der Hand halten, das sind die 4,50€ doch schon fast wert.
Ja, nun. Am Freitag gehe ich dann Eishockey spielen. Ich bin gespannt. Wie ich mich kenne ziehe ich mir irgendeine absurde Verletzung mit fantastischem Namen zu und mein Aufenthalt ist vorbei, aber das Risiko gehe ich ein. Dadurch, dass ich hier so sehr mit leckerem Essen vollgestopft werde („Nimm Butter! Nimm mehr Butter! Iss noch ein Brot! Nur einen kleinen Schluck Wein! Noch einen!“) bin ich ganz froh um sportliche Betätigung. Auch die Tatsache, mal nicht mit den immergleichen Leuten aus der Schule rumhängen zu müssen ist verlockend.
Es ist übrigens etwas außergewöhnliches passiert. Es ist das eingetreten, wovor ich mich so sehr gefürchtet habe, bevor ich abgefahren bin. Etwas ganz und gar abenteuerliches.
Kohl.
Ich habe Gerichte gegessen, die zu 90% aus Kohl bestanden – und sie waren lecker! Was aber nicht heißt, dass ich das Zuhause nachmache. Das sind besondere Umstände. Überhaupt weiß ich auch gar nicht, was das war oder wie man das nachmacht und nein, das kann ich unmöglich fragen.

Ob ich wohl immer noch ich sein werde, wenn ich wiederkomme? Oder werde ich zu einer kohlessenden, eishockeyspielenden Maschine mutieren? Wer weiß. Wer weiß..

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