Bitte A sagen und einmal laut aufschreien

Der zweite Blogeintrag über Sibirien liegt angefangen, aber seit Monaten (inzwischen, wow) unberührt in der Ecke. Ich habe gerade endlich The Bell Jar durchgelesen, und auch in meinem Leben stellen sich jetzt viele Fragen.

Es gibt so viele Abzweigungen mit so vielen Optionen, ich würde gerne abspeichern und gucken, was passiert. Vor einer Woche habe ich im Zuge armutsgefüllter Verzweiflung ein paar Bewerbungen geschrieben. Seitdem ich das Bewerbungenschreiben nicht mehr ernst meine, bekomme ich viel mehr positive Antworten. Diesmal zum Beispiel auf eine Bewerbung, die, außer meinem Lebenslauf, lediglich die zwei Sätze „I spent 60+ hours completing every single quest and achieving every single ending in NieR: Automata. If I could turn this dedication into money, my life would be perfect.“ enthielt.

Dieses Wochenende musste ich einen Coronatest machen und es war viel stressvoller als zwei Wochen lang jeden Tag 13 Stunden lang zu arbeiten. Das ganz ereignete sich so:

Am Freitagmorgen schreibt meine Freundin, dass sie Covid hat. Ich hatte sie am Sonntag davor erst getroffen, am Dienstag hatte sie unseren Unterricht auf online verlegt, weil sie nichts hatte schmecken können. Um eine verantwortungsvolle Mitbürgerin zu sein, habe ich mich natürlich nach einem Test erkundigt. Ich hatte zwar keine Symptome, aber das war mir dann doch zu heikel. Die erste Firma, bei der ich eine Anfrage hinterließ, behauptete, sie würde mich innerhalb des nächsten Tages zurückrufen. Daraufhin schickte mir eine andere Freundin, die die ganze Misere bereits hinter sich hatte, einen Link. Ich war irgendwie mit dem Ausfüllen des Formulars überfordert, also übernahm Zoe. Abgeschickt und bezahlt, am nächsten Morgen um 10 kommt der Test.

Ich sagte Anya, ich hätte alles bestellt, und Anya sagt, lies dir am besten die Instruktionen durch. Wo finde ich die? Na, in der E-Mail, die sie dir geschickt haben. E-Mail? Welche E-Mail? Anya schickt mir einen Screenshot. Ich habe keine solche E-Mail erhalten. Mir fällt auf, dass ich nicht korrigiert habe, was Zoe geschrieben hat, sondern einfach angenommen habe, das alles seine Richtigkeit hat. Meine Mundwinkel zucken. Ich denke: na ja, wenn sie morgen um 10 nicht da sind, rufe ich sie eben an.

Ich wache gegen 9 auf und bereue sofort, meinen Wecker nicht auf eher gestellt zu haben, da man eine Stunde vor dem Test nichts essen und nichts trinken darf. Dann warte ich. Um viertel nach zehn rufe ich die Nummer vom Link an. Nichts. Ich rufe noch mal an. Warteschleife. Na ja, okay. Warte ich eben.

Ich kritzle 15 Minuten in meinen Kalender, dann quatsche ich 10 Minuten mit David. Ich schreie einmal kurz in mein Kissen. Danach browse ich Instagram für 20 Minuten, dann quatsche ich wieder 15 Minuten mit David. Nach genau einer Stunde werde ich aus der Warteschleife gekickt.

Es ist 11, und es ist immer noch niemand da. Ich schreibe Zoe, ob sie sich erinnern könne, für wann genau sie den Test bestellt hatte. „Ich erinnere mich nicht. Vielleicht so 6-8?“, sagt sie. Ich seufze und beschließe, zu essen und einen Schluck Wasser zu trinken. Dann mache ich mir einen Tee. Ich kann die Firma immer noch nicht erreichen, beschließe aber, ab 5 vorsichtshalber wieder nichts zu essen und zu trinken.

Um die Zeit zu vertreiben schaue ich Handmaid’s Tale und streite mich mit David. Als wir uns wieder vertragen bestellen wir Sushi. Lieferzeit: 1,5 Stunden.

Das Sushi kam gegen 6 an. Langsam entwickelten sich aus meiner Mangelernährung und Dehydration resultierenden Kopfschmerzen. Um 7 bekomme ich einen erlösenden Anruf: wir sind in 5-10 Minuten da. Fast weine ich vor Freude.

Es klingelt. Ich öffne die Tür und warte unangenehm berührt im Rahmen, bis der Mann mit dem Test in den vierten Stock gelaufen ist. Ich schnappe mir meine Sendung und gehe ins Bad, dann fällt mir auf, dass ich zum Unterschreiben des Vertrags einen Stift brauche. Panisch laufe ich zu David in die Küche, weil ich nicht ins Büro, was neben der Tür ist, gehen möchte, denn sonst hätte mich der Liefermann gesehen. Er hätte sich sicher gefragt, warum ich durch die Wohnung laufe, statt meinen Test zu machen. Also holt David mir einen Stift.

Beim extrahieren des Biomaterials aus meinem Rachen muss ich würgen, als ich mir das Stäbchen in die Nase schiebe, fange ich an zu weinen. Alles in allem also weniger schlimm als erwartet.

Mit einer noch nicht ganz getrockneten Träne auf der Wange lege ich den Test zurück in die Styroporkiste des Lieferanten und verabschiede mich. Danach esse ich triumphierend genau 6 Sushi, bis mir schlecht wird, weil ich den ganzen Tag nichts zu mir genommen habe.

Am nächsten Tag wache ich mit Migräne auf, fühle mich aber trotzdem erleichtert, alles hinter mir zu haben. Ich esse ein Stück Brot, zwinge eine Ibuprofen runter und quäle mich in den Obst- und Gemüseladen, um eine Zitrone zu kaufen. Zurück Zuhause trinke ich einen Espresso mit Zitrone und fühle mich direkt besser (absolutes Wundermittel.)

Nach einer weiteren Folge Handmaid’s Tale sehe ich eine Nachricht, dass meine Testergebnisse angekommen sind. Ich hatte meine falsche E-Mail-Adresse im Vertrag zwar korrigiert, anscheinend hat dies aber niemand zur Kenntnis genommen. Dass Anrufen nichts bringt, wusste ich ja schon, also googlete ich как посмотреть результати хеликс (wie man bei Helix seine Resultate anschauen kann) und fand prompt 7 verschiedene Möglichkeiten.

Zuerst erstellte ich mir also einen Account auf deren Website, was mir als das Einfachste erschien. Allerdings akzeptierte dieser nicht meinen Namen und zeigte mir deshalb mein Resultat nicht an. Dann dachte ich mir, okay, vielleicht ist das ein Serverfehler, und ich versuchte es über die App. Das gleiche Problem. Dann sah ich, dass die Website einen Chat hat, über den man mit BeraterInnen sprechen kann. Darauf reagierte niemand. Dann sendete ich eine E-Mail, auf die bis zum jetzigen Zeitpunkt keine Antwort erfolgte, nicht einmal eine automatisch generierte.

Als ich schon fast aufgeben will, sehe ich einen großen, grünen Button auf der Startseite. RESULTATE ERHALTEN. Ich klicke den Button. Ich gebe meinen Nachnamen, meine E-Mail, und meine Auftragsnummer ein. Ich klicke auf SENDEN. Innerhalb von 5 Sekunden war meine E-Mail da.

Negativ.

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