wait, what

Moment, Stop – was zur Hölle ist seit Mittwoch eigentlich passiert?

Donnerstag war ich nicht in der Uni, natürlich. Aber beim Training war ich und danach beim Poetry Slam und ab da wurde es absurd.
Vor dem Eingang zur Bar traf ich Max, den ich dort nicht erwartet hatte. Wir sagten Hallo zu Daria und ihrem Date und verschwanden dann mit Bier nach unten, wo wir uns neben Logan auf den Boden setzten und den Dichtern zuhörten. In der Pause bestellten wir noch ein Bier, rauchten ein Tütchen und ich sagte zu Logan „vielleicht sollte ich nächstes Mal auch lesen, ich habe lange nichts gelesen, oder glaubst du, sie haben heute noch einen Platz frei? Na ja, hm, mal gucken.“ Dann kam der Gastgeber mit den Worten „Is there any other person named Alex in this audience that hasn’t performed yet?“ und Logan schaute mich an und ich sagte „Don’t look at me like that!“ und der Gastgeber sagte „You?“ und ich sagte „Well, my name is Alex and I do have stuff, but I didn’t sign up for today’s reading.“ und er sagte „Doesn’t matter, you’re next!“ also kramte ich nach meinem Blog und betrat die Bühne mit den Worten „This is rather unexpected.“ Lachen. „Also I’m sorta high.“ Der Gastgeber schlägt sich die Hand vor die Stirn. „But I think I’ll manage.“ Beim Vorlesen bin ich immer wieder über meine Worte gestolpert „Couch? What do I mean, couch? This isn’t correct. Crouch maybe? No, that doesn’t make sense either.“ „Cough!“ „Oh, yes, yeah, cough, thank you!“ und „What the hell was I thinking while writing this“. Alles während ich eigentlich ganz fürchterlich auf Toilette musste und ein bisschen froh darüber war, dass ich mich jetzt nicht mehr laut an der ersten Reihe vorbeidrängeln musste. Nachdem ich wieder kam wurde der letzte Slammer des Tages angekündigt. Er betrat mit den Worten „Hi, my name is Dan. I just returned to Berlin after I spent some time at home.“ Er schaut mich an. „I’m from California.“ Ich lache. „So you can relate!“ „Yeah. Yeah, I can.“
Und all das während ich immer noch in der Mitte einer absoluten psychischen Krise war, mit meinen Haaren und allem im Rampenlicht – danach sind wir erst mal ein Bier trinken gegangen, Daria und Max und ich, witzigerweise in einer Bar fast direkt neben Alex Haus (das habe ich nicht absichtlich gemacht; nur jedes Mal, das ich an dieser Bar vorbeikam, dachte ich mir ‚da möchte ich mal rein‘ und die Location vom Slam war wirklich nicht weit) und es gab mehr Bier und Tequila Shots und dann sind wir zu Daria und haben noch zwei Tüten geraucht „This was the worst trade deal in the history of trade deals, maybe ever“ und Unterwassertierdokus geschaut und Radio gehört und Burger bestellt um 4 Uhr morgens „Diese Burger sehen genau so aus, wie man sich Burger vorstellt, die man um 4 Uhr bestellt“ und dann ist Max gefahren und ich habe auf der Couch gepennt.

Am nächsten Tag sind wir aufgewacht, weil die Sonne geschienen hat, also haben wir einen schönen Spaziergang durch Kreuzberg und am Kanal entlang gemacht, bis Enana angerufen hat und erzählt hat, dass es in Zürich kein Internet gibt, also haben wir versucht herauszufinden, wie man mit ihrem Telefonvertrag Internet aufs Handy in der Schweiz bekommt und sind gescheitert und haben dann Fladenbrot gekauft und Dips und gefrühstückt. Pilates war dann natürlich nicht mehr drin, aber ich bin dann abends fürchterlich verkatert zum Training in die Halle gefahren und es war schrecklich und Zuhause bin ich nach dem Essen um halb elf direkt ins Bett und ich konnte sogar fast gut schlafen.

Samstag waren wir, das heißt Ansgar, Luzia und ich, auf einer lobbykritischen Stadtführung und es war kalt und nass und windig und bäh, aber trotzdem sehr interessant. Danach tranken wir noch einen Tee im Chagall und dann war es so spät, dass ich keine Zeit hatte mehr, nach Hause zu fahren, weil Daria und ich noch mit zwei Freunden von ihr, Karl und Luis, zu einem Konzert wollten. Ich hatte an dem Abend beschlossen, nichts zu trinken und dabei blieb ich auch. Das Konzert war unspektakulär aber schön, irgendwann waren wir eine riesen Gruppe, Max war noch da und irgendein Nick und Luis hat noch zwei Freunde gefunden und alle waren betrunken außer mir und dann rief Ben an und fragte, ob wir zu ihm fahren, sie tränken vor und gingen dann feiern, also machten wir uns auf den Weg. An der Ubahn-Haltestelle freundeten wir uns mit ein paar Obdachlosen an, bis plötzlich ein c.a 50 jähriger aus Brooklyn stammender Jazz-Musiker sich zu uns gesellte, den alle so feierten, dass wir ihn spontan in die U-Bahn mitnahmen. Als Daria ihn nach einem bestimmten Song gefragt hat holte er sein iPad raus und fing an, irgendwelche Musik zu spielen und dazu sein Saxophon zu malträtieren, ich lief mit seiner Mütze durch die Bahn und sammelte Geld rein, es fiel durch ein Loch wieder raus, mehr als 40 Cent habe ich nicht eingenommen, aber immerhin. Den Jazz-Musiker haben wir mit auf die Party genommen und Ben war sichtlich verwirrt, was er mir mit Wiederholtem „Alex, I’m so confused.“ zum Ausdruck brachte. Irgendwann war es spät und ich wollte heim und der Jazz-Musiker (ich habe nicht einmal Ahnung, wie er heißt) auch, also sind wir zusammen zur Bahn und auf dem Weg erzählte er mir vom Kollaps des Wirtschaftssystems und dass Bitcoins das einzig wahre sein, um seine monetären Verhältnisse zu retten und wie dumm wir seien, dass wir alle auf Geld vertrauen, anstatt einfach Essen anzupflanzen, denn „30 seeds! That’s all you need!“ – ich verabschiedete mich höflich und fuhr nach Hause. (Und heute sind die Jamaika-Sondierungen gescheitert, Zufall?)

Sonntag hatte ich natürlich erst wieder ein Spiel, was unangenehm war, weil es sehr kalt war und noch dazu permanent geregnet hat. Außerdem haben wir verloren. Aber nach dem Spiel bin ich zur Weinmesse gefahren, auch wieder mit Karl und Luis und Daria, wir hatten Freikarten, mussten also keine 10€ zahlen und konnten trotzdem kostenlos Wein testen. Karl und ich haben irgendwann behauptet, wir seien verheiratet und würden eine neue Bar aufmachen, die Beats’n’Bongos hieß. Der einen Verkäuferin erzählten wir, wir hätten ein Konzept, bei dem wir Wein nach Anlässen ausschenken würden, wie z.B. „Der erste Herbsttag“ und was sie davon hielte, und welchen Wein sie dafür empfiehle. Irgendwann meinte ich, es wäre schön, wenn es hier einen Stand mit georgischem Wein gäbe, und dann ruft uns ein total zufälliger Typ hinter uns zu „Ja, gibt es, in der anderen Halle!“, also sind wir dorthin und haben Stalins Lieblingswein getrunken und dem armen Mann erzählt, dass wir zur Eröffnung unserer Bar in zwei Monaten einen Bongoworkshop anböten und dass er herzlich dazu eingeladen wäre. Dann sind wir nach Hause.

Dinge, auf die ich nicht klarkam:

Karl, der mir im Club an die Wangen fasst und mich anstrahlt und sagt „Du bist einfach so wunder, wunderschön! Und deine blauen Augen sind so ehrlich und wunderbar“. Der Jazz-Musiker, der mir erzählt, er sei nur mitgekommen, weil er meinte, ich sei so faszinierend lebensfroh und „the most beautiful woman alive“. Die Menge im Du Beast während meines Vortrags, die permanent gefeiert hat. Consensual social awkwardness. Leben.

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