Ein paar Gedanken

Bombe, Anschlag, Terror, Panik – Panik, das ist zumindest das, was du haben musst. In der Metro ist etwas Tragisches passiert, ein Dutzend Menschen sind gestorben, viele weitere verletzt. Also schalten jetzt alle ihren Verstand ab und ihre sinnlosen Gefühle ein und bleiben angsterfüllt Zuhause sitzen. Aber was ist heute denn anders als gestern? Und, vor allem, was ist heute anders als morgen oder nächste Woche? Du wirst wieder in der Metro sitzen. Du wirst wieder am Technologichesky Institut oder am Sennaya aus- und umsteigen, weil das nun mal die zentralen Punkte sind. Am Anfang fühlst du dich vielleicht ein bisschen unwohl dabei, aber allerspätestens nach einem Monat sind das wieder vergessene Gefühle. Heute ist erst mal „Trauern“ angesagt – für Leute, die man nicht kennt – vor allem für Leute, für die man sich niemals interessiert hätte, wenn sie nicht gerade zufällig gestorben wären. Was, wenn unter ihnen jemand war, dem du unvorsichtig den Tod gewünscht hättest, weil es ein verurteilter Vergewaltiger war? Was, wenn du wüsstest, dass unter ihnen Väter waren, die ihre Kinder missbraucht haben, ihre Frauen geschlagen haben? Oder wenn es Leute sind, die ihr ganzes Leben lang nur ignoriert wurden und jetzt im Tod die Aufmerksamkeit bekommen, die sie sich immer erhofft haben – und was bringt ihnen das? Ist das nicht sarkastisch? Und warum kümmert dich das? Hast du damit irgendwas erreicht, irgendwas verändert? Es geht hier nur um dich, um dein Gefühl, um deine Selbstverwirklichung. Du willst den anderen zeigen, wie empathisch du bist gegenüber den Toten. Und ich bin hier zynisch? Nur, weil ich realistisch bin? Weil ich mich nicht davor fürchte, Metro zu fahren – gerade jetzt, wo doch wahrscheinlich die sicherste Zeit ist, Metro zu fahren? Wenn dir das Leid anderer so wichtig ist, warum kümmerst du dich nicht um Menschen, denen du wirklich helfen kannst? Warum machst du nicht die Augen auf bevor es zu spät ist? Aber das ist zu schwierig. Wenn es auf dem Silbertablett serviert wird, nehmen wir gerne jede Möglichkeit an, uns als besonders guten Menschen zu profilieren. Ihr, die ihr euch Zuhause verschanzt, ihr, die ihr Rosen niederlegt für Leute, die ihr im Leben nie gesehen habt, ihr, die ihr gierig jede Neuigkeit aufsaugt, um eure Angst zu nähren – ihr widert mich an.

  1. Du bist zu doof <3
    Die Sternchen sind verlinkt. Also… 3 Sternchen.
    Dein Sternchen, mein Sternchen und ein Bookish Sternchen.
    Deins ist in deinem Sternzeichen (i guess).

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