Von Pancakes, Feuern und Palästen

Und das Wochenende ist schon wieder vorbei. Meine letzte Schulwoche hat angefangen. Das Stimmungsbarometer geht auf und ab. Auf der einen Seite freue ich mich natürlich, das Praktikum anzufangen, aber auf der anderen Seite habe ich mich gerade gemütlich in dieses Leben eingerichtet. Ich habe langsam angefangen, mich an alles zu gewöhnen, mich an St. Petersburg und Russland an sich zu gewöhnen und mich hier wohlzufühlen. Ich fühle mich hier sogar fast ein bisschen Zuhause. Es ist schon interessant, in der ersten Woche war natürlich alles noch neu und spannend, aber die ganze Aufregung legte sich dann in den darauffolgenden Tagen und wich einem Gefühl, bei dem einen einfach alles ankotzt. Es ist irgendwie gemein, sich wieder komplett neu auf Dinge einlassen zu müssen, wenn man gerade irgendwo mit Herz, Kopf und Seele angekommen ist. Aber so ist das wohl.
Am Wochenende, genauer gesagt am Samstag, war ich wie angedeutet mit dem Ami und dem Typen aus Kassel in Puschkin. Es ähnelte schon einem kleinen Abenteuer, überhaupt dorthin zu kommen. Der Ami und ich hatten die Führung komplett unserem Freund überlassen, der uns mit seiner deutschen Effizienz beeindrucken sollte. Wir sind also bis zum Metro-Bahnhof Moskovskaya gefahren und wollten von da aus weiter mit der Marschrutka. Bis wir herausgefunden hatten, was das ist, wo es fährt, wohin es fährt und, vor allem, wie man es anhält verging eine halbe Stunde. Eine weitere halbe Stunde verging, bis wir verstanden haben, wo wir aussteigen müssen – zum Glück war es da noch nicht zu spät. In Puschkin angekommen sind wir dann durch einen großen, grünen Park spaziert und haben Paläste besichtigt. Ich denke, das ist eher nicht so das Winterding, ich kann mir aber vorstellen, dass es im Sommer wunderschön dort ist.
Gestern war dann auch der letzte Tag der Masleniza, eine ganze Woche, in der der Frühling begrüßt wird in dem man Unmengen an Pancakes isst (Ohja. Pancakes. Eine Woche lang.) und hinterher Menschen verbrennt. Der Ami hat mich eingeladen, mit ihm zu einem der vielen Brennpunkte (ha-ha) zu gehen, aber irgendwie haben wir nicht den richtigen Ort gefunden, sind stundenlang durch die Stadt gestreunert und an mysteriösen Metrostationen gelandet um im Endeffekt stundenlang teetrinkend in irgendeiner Bar zu versacken. Teetrinkend, weil ich mir vorgenommen habe, diese Woche nichts zu trinken, was bis heute auch wunderbar funktioniert hat. Aber meine Gastfrau hatte heute sehr viel Besuch und dementsprechend musste ich auch eins, zwei, drei, vier Gläschen Wodka mit ihnen trinken. Der Moment, den ich die ganze Zeit herbeigefürchtet hatte, ist gekommen. Ich fühle mich ein wenig entjungfert, aber es geht mir gut – wie man sieht kann ich noch tippen. Ich musste auch Kaviar essen – furchtbar ekliges Zeug. Ich bin froh, dass meine Abneigung dagegen einhellig zwar nicht verstanden, aber zumindest akzeptiert wurde.

Interessant: ich habe heute Nacht davon geträumt, dass mich irgendjemand dazu einlädt, mit ihm/ihr zu einem Masseur zu gehen. Als ich heute Mittag mit ein paar Freunden beim Lunch saß, hatte ich kurz überlegt, zu erzählen, dass ich endlich wieder träume und wovon ich geträumt habe, habe es dann aber verworfen, weil das jetzt nicht besonders interessant ist. Als ich nach Hause kam stellte mir meine Gastfrau einen Freund von ihr vor – einen Masseur, natürlich. Ich bekam dann auch meine Massage – ich habe also sozusagen die Zukunft vorhergesagt in meinem Traum! Aber das ist noch nicht alles. Als ich gestern mit Ami in der Bar saß, redeten wir, wie immer, über Gott, die Welt und alles. Irgendwann kamen wir auf das Thema spontane Erleuchtungen. Als ich heute am Küchentisch saß und mit meiner Gastfrau und dem Masseur sprach und als der Masseur plötzlich damit anfing, dass ja alles miteinander verbunden sei im Universum (und genau habe ich nicht verstanden, worum es ging), hatte ich genau so einen Moment, in dem man denkt: was mach ich hier überhaupt? Und warum bin ich hier? Und wie absurd ist das eigentlich, dass ich gerade in Russland bin, an einem Küchentisch sitze, Unmengen an Tee und Süßkram vernichte und dabei über irgendwelche meditativen Ideen rede? AUF RUSSISCH? Fast wie damals mit Conspiracy Guy irgendwo in Lettland.
Die Dinge wiederholen sich.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.