Vom Fluchen und Fauchen und Reisen

„Sie reist quer durch die Welt, wenn’s sein muss mit ’nem Floß, aber Kassel ist zu weit.“

Mit diesem Vorwurf konfrontierte mich gestern ein Freund (hallo, Freund.). Und irgendwie hat er ja Recht. Man macht immer Urlaubsplanung, fährt hierhin, fährt dorthin (wenn man es denn mal tatsächlich tut), aber man macht so selten Pläne, um einfach nur seine Freunde zu besuchen. Sobald man einen Partner hat irgendwo weiter weg findet man auf einmal unglaublich viel Zeit, um durch die Weltgeschichte zu gurken, aber ich habe zwei Jahre gebraucht, um einmal nach Heilbronn zu fahren. Und nach fast zwei Jahren war ich auch immer noch nicht in Kassel. Eine kleine Schande. Ich plädoyiere für mehr Freundschaftsbesuche. Ich plädoyiere dafür, öfters absichtlich zu Konzerten weiter weg zu fahren, um seine Freunde zu besuchen. Und ich gestehe meine eigene Schande. Das war der erste Punkt des Tages.
Der zweite Punkt ist folgender: von „Darf ich mal deine Wangenknochen anfassen?“ bis „Ich mag genau diese eine Kurve da“ hab ich schon vieles über meinen Körper gehört. Doch dass mich jemand ausgerechnet wegen eines Muttermals am Hals attraktiv finden könnte, war mir dann doch neu. Gut, aber warum wundert mich das eigentlich? Weil ich immer dachte, das mit den Wangenknochen ist irgendwie unübertrefflich. Das war immer mein Liebling an merkwürdigen Komplimenten, aber ich glaube, es wurde damit abgelöst. Ich stelle mir gerade vor, wie jemand einen stark ausgeprägten Muttermal-Fetisch hat und der dann richtig enttäuscht ist von mir. So nach dem Motto „Oh Gott, das sah so vielversprechend aus!“ und dann kommt die nüchterne Erkenntnis, dass dieses „Attraktivitäts“-Merkmal komplett an mir vorbeigegangen ist.
Der dritte Punkt ist, dass ich herausfinden muss, warum ich in Russland so wahnsinnig schnell betrunken werde. Ich war Montag mit dem Chilään und Ami in einer Bar und nach drei Bier musste ich nach Hause gefahren werden. Drei Bier! Das ist doch nichts. Ich war in meinem Leben nicht so oft hintereinander betrunken wie in diesen zwei einhalb Wochen, die ich jetzt hier bin. Deswegen habe ich mir vorgenommen, diese Woche nüchtern zu bleiben. Auch wenn wir Chilääns letzten Monat in Russland mit Allem feiern müssen, was uns zur Verfügung steht (und wir haben Montag schon besiegelt, dass wir jetzt alle beste Freunde sind), man muss auch mal pausieren.
Punkt vier ist eine kurze Filmrezension. Ich habe meinen produktiven Katertag gestern mit einem Film ausklingen lassen und nach dem soviele Leute davon geredet haben, entschied ich mich für Whiplash. Er war langweilig und vorhersehbar von der ersten Minute an, aber immerhin nicht langweilig genug um ihn auszuschalten. Ich meine, ernsthaft? Hätte man mich nach fünf Minuten gefragt, wie der Film ausgeht, ich hätte genau das geantwortet. Es ist als würden die Charaktere mit ihren Redebeiträgen kontinuierlich selbst den Film spoilern. Ich hab es dem Ami erzählt und er hat mich für verrückt erklärt, aber dann hat er mir erzählt, dass er überlegt hatte, mich bei unserem ersten Aufeinandertreffen nicht „hey, wie heißt du?“ sondern „Glaubst du, dass du auf eine verrückte Art sterben wirst? Du siehst nämlich aus wie eine Person, die auf eine verrückte Art sterben wird“ zu fragen und ich habe seinem Urteil ein bisschen weniger Wert beigemessen. Was mir jedoch wirklich an Whiplash gefallen hat war die Szene, in der er diesen einen Typen aus seinem Orchester rauswirft mit den Worten „Verschwinde, sonst vernichte ich dich“. Ich versuche das ab jetzt öfter in meinen Sprachgebrauch einfließen zu lassen.
Also verschwinde. Sonst vernichte ich dich.

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