stromschnellen

und immer veraendern sich dinge. alles ist seltsam. ich fuehle mich, als wuerde ich achtlos vor mich hintreiben, hin- und hergeworfen von der stroemung. heute habe ich unter grossem emotionalen aufwand einen meiner 37264 jobs gekuendigt. ich hoffe, das war eine gute entscheidung. ich versuche, kleine quality-of-life-improvements durchzufuehren in meinem leben. zum beispiel, mein schreibtischstuhl hat jetzt filzgleiter unten dran. so konnte ich die schreckliche, viel zu kleine bodenschutzmatte in den flur verfrachten. so sieht es wenigstens so aus, als haetten meine schuhe einen konkreten platz. haben sie natuerlich nicht, weil ich noch kein schuhregal habe. aber die illusion ist da.

es faellt schwer, nicht pausenlos zurueckzudenken. an letztes jahr, vor zwei jahren, vor drei jahren. meistens war ich um diese zeit in sankt petersburg. ich glaube, 2015 war das letzte mal, das ich ende april in berlin war, und da war ich noch mit florian zusammen. eine ganz andere welt. und auch da waren wir kurz vorher in norwegen. ich stelle fest, dass das leben ohne reisen, feste und konzerte nicht besonders lebenswert ist. es ist fraglich, wie lange es sich das aushaelt. wann werde ich das naechste mal auf einer buehne stehen und meine drittklassigen texte vortragen? wann werde ich das naechste mal so tun, als wuerde ich eine bar eroeffnen, um mehr gratis weinproben zu erhalten? wann wieder einen fussballmusterfoermigen abdruck auf meinem gesicht haben? wann von komplett fremden menschen durch eine menge getragen werden?

ich habe nicht das gefuehl, dass mein leben auf irgendetwas zusteuert momentan. eher im gegenteil, es scheint von allem wegzusteuern. ich vermisse sankt petersburg. aber ein grossteil meiner freunde ist nun auch nicht mehr da. beergeek existiert nicht mehr richtig. all die dinge, welche die stadt so extra-besonders gemacht haben. und nichtsdestotrotz vermisse ich sie. der ueberfuellte nevsky mit seinen praechtigen fassaden. bars an bars gereiht auf der nekrasova. zum einkaufen in 37 verschiedene laeden muessen. nachts an der fontanka entlang laufen. sekt zum fruehstueck bei granola. ausgefallene gin-kreationen im do immigration. pizza bei 22. super abgeranzt neben super hipster. ein leben voller gewohnheiten, gemuetlichkeiten. ich hatte meine plaetze, meine orte, meine rituale; all das sind dinge, die mir in berlin fremd sind. und dinge, die in berlin immer schon weit weg waren, rein geographisch gesehen.

ach, russland, ich wuenschte du wuerdest nicht von einem despotischen autokraten regiert werden. das wuerde mein leben viel einfacher machen. vielleicht, in zwanzig, dreissig jahren, wenn putin (hoffentlich) nicht mehr unter uns weilt, gibt es eine chance. vielleicht. aber dann bin auch ich schon alt.

ich bin so muede und lebenslustlos. es ergibt fuer mich gerade wenig sinn, sich tag fuer tag durch den gleichen trott zu kaempfen. jede zukunft scheint universen weit weg.

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