„Саша :)“

„Саша :)“ steht auf meiner Dose mit Vitamin D-Tabletten. Ich hatte sie kurz vor meiner Abreise von Freunden in Sankt Petersburg abgekauft. Ich wusste nicht, wo ich Vitamin D herbekomme und meine Dose war leer, weil ich deren Inhalt aus Versehen zu 73 % auf dem Boden verschüttet hatte. Und meine Freunde hatten noch eine große Packung übrig. Und sie sagten: Kein Problem, komm her, du kannst es mitnehmen. Und sie schrieben „Саша :)“ auf die Dose, damit niemand vergisst, dass es meine ist.

An dem Abend hatte ich sie natürlich trotzdem vergessen. Die Vitamine wurden mir erst einen Tag vor meiner Abreise überreicht. Das Ganze ist nun circa zwei einhalb Monate her. Mittlerweile sind sie mit mir in Berlin und stehen auf der Arbeitsfläche in meiner Küche. Ich hebe die Dose hoch und schütte mir zwei winzige weiße Tabletten in die Hand. Dann trinke ich einen Schluck Wasser aus meiner gelben Trinkflasche und schiebe mir die erste Tablette in den Mund, schlucke, mehr Wasser, dann die Zweite. Ich betrachte das Etikett. Das „Саша :)“ hat sich schon ein bisschen abgenutzt, es ist nun kaum mehr zu erkennen. Das kommt mir sehr metaphorisch vor. Auch meine Zeit in Sankt Petersburg scheint zu verschwimmen, die Erinnerungen wirken abgenutzt. Es kommt mir vor wie eine Ewigkeit, dass ich dort gewohnt habe. Das Leben in Deutschland ist doch ertaunlich schnell wieder in seine gewohnten Bahnen gefallen – sofern das eben möglich ist.

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