Winterstagnation

Ein paar Beobachtungen von meinem Wandertag in Brandenburg mit Ansgar:

Am Wegesrand liegt zwischen ein paar Bäumen einsam und kaputt ein pinker Plastikregenschirm mit weißen Punkten. Gegenüber hat jemand liebevoll das „Libellen sind sensitiv!“-Schild um ein „FCK NZS“ ergänzt. Jedes Haus, das ich passiere, hat eingeschlagene Fenster und offene Türen, der Putz fällt von der Decke und es riecht muffig. Obwohl ich geradeaus gehe, fühle ich mich wie auf dem Fließband – die immergleiche Sumpflandschaft zieht an mir vorbei und ich könnte schwören, diesen Baum schon drei Mal gesehen zu haben. Der Spreewald heute: trist, traurig und verlassen.

(Das ist auch schon wieder ein paar Wochen her.)

Ich bin unspektakulär. Ich lebe vor mich hin, lese, zocke, mache Sport, spiele Bass und bin unspektakulär. Freitag war ich auf einem kleinen Konzert und dann mit der Band in einer Bar – Zitat des Abends ‚Ich bin ein dummer Mensch, der sich gut in der Leistungsgesellschaft zurecht findet‘, Gespräch des Abends: Graubrot vs. Weißbrot und warum eine 1 vor dem Komma wahrscheinlicher ist als eine 9 – und es war unspektakulär. Rauchschwaden ziehen durch die stechend kalte Februarluft, die Nacht ist klar, der Himmel sternenlos, das Bier und der Döner und die Geräuschkulisse – normal bis harmlos, das Aufregendste ist, als Ansgar2 die Bahn verpasst. Ich bin der Fleck, der seit Tagen eine Ecke deines Bildschirms verschmiert und den du zu faul bist, weg zu machen. Ich bin der gute Vorsatz vorm Zubettgehen. Es ist Winter, und alles ist eingefroren. Winter ist nur was für Liebe und Kuscheln, für Kerzen und Kakao, für Filme und gutes Essen. Ohne all das ist Winter einfach nur kalt, und leer.

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