Zweckextroversion

Gestern wurde ich mit folgendem Satz konfrontiert: „Du bist eine der extrovertiersten Personen, die ich kenne!“ „Aber ich bin doch gar nicht extrovertiert“, denke ich, „ich bin doch ganz schüchtern“. Und dann habe ich mir überlegt: ich bin zweckextrovertiert. In dem Sinne: bin so unsicher mit mir selbst, dass ich es überspiele mit extremer Sicherheit nach außen. Ich möchte nicht, dass mich jemand darauf anspricht, dass ich zurückgezogen bin, und präsentiere mich deswegen direkt so, wie ich gerne wäre. Ich stelle eine Version meiner selbst vor, die ich nicht bin und niemals sein werde, aber die dafür sorgt, dass man nicht mich persönlich hinterfragt, sondern nur dieses aufgesetzte Ich.
Und jetzt die Frage:
Wer bin ich, wenn ich nicht ich bin, wenn ich mit anderen bin? Oder ist dieses Schauspiel schon längst zu meinem Ich geworden? Wenn mich jemand mag oder – schlimmer – sich in mich verliebt, verliebt er sich dann in die Schauspielerin oder hat er dahinter sehen können?

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