Da ist doch nichts

Woher weiß man denn jetzt, was man wirklich will? Wie kann man entscheiden zwischen depressionsinduziertem Wahn und tatsächlichen Gedanken? Es fällt mir zunehmend schwerer, alles auseinander zu halten. An manchen Tagen wache ich auf und denke: das, was du da tust – das ist genau das Richtige. An anderen Tagen, so wie heute, zweifle ich an allem. Ich kann mir nicht vorstellen, jemals einem geregelten Job nachzugehen. Ich kann mir nicht vorstellen, auch nur ein einziges weiteres Wort in dieser Hausarbeit über Sergej Dovlatov und Alltags-Idiomatik zu schreiben. Ich habe mich gestern für meine letzte schriftliche Prüfung angemeldet und als ich so den Bildschirm vor mir sah, dachte ich: das war’s. Nur noch diese drei Dinge. Die Bachelorarbeit ausgeklammert, musst du dich nie wieder für irgendetwas hier anmelden. Ist doch überschaubar, nicht? Nicht. Alles scheint ein unüberbrückbares Hindernis. Und es ist nicht einmal Zeit, die mich stresst, Zeit habe ich genug. Es sind die starren Richtlinien und Regeln, denen ich mich nicht beugen will, und die mir das Arbeiten zum Graus machen. Vielleicht hätte ich schon längst das Handtuch geschmissen, aber ich bin so kurz vorm Ende, da kann man doch nicht einfach aufgeben? Und das, vor allem, ohne aussichtsreiche Alternative.
Es sind doch immer dieselben Gedanken.

Ich muss mich mal wieder um Bafögangelegenheiten kümmern, meine Lieblingsbeschäftigung. Ich will hier weg, ich will weiter, ich will Neues, ich will Anderes. Ich fühle mich irgendwie nicht geschaffen für dieses System. Es ist alles falsch. Ich bin falsch und die Welt ist falsch und wir bewegen uns in unterschiedlichen Bahnen und trotzdem bin ich noch hier und alles ist wie immer.

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