Und so weiter

Es ist schon wieder Donnerstag. Couchsurfing-Donnerstag. Mein vorletzter Couchsurfing-Donnerstag bevor ich fahre.

Ich bin momentan wahnsinnig unproduktiv und es geht mir nicht gut. Gestern dann hat Stacey so laut geschnarcht, dass ich selbst mit Ohrstöpseln nicht schlafen konnte. Als ich dann beschlossen habe, stattdessen Musik zu hören, habe ich aus Versehen Wasser über meinen Laptop gekippt, aber er funktioniert gottseidank noch. Ich habe auch ein bisschen mit David geschrieben und er ist momentan recht niedlich. Er hat mir eine Nachricht an mein Zukunfts-Ich hinterlassen.

Die Übersetzungen sind so gut wie fertig, nur noch der letzte Schliff fehlt. Ich hätte das alles innerhalb einer Woche locker erledigen können, da sieht man mal, wie wenig Motivation ich für irgendwas habe momentan. Und die liegengelassene Arbeit wird immer mehr und mehr und zieht sich so hinter mir her. Ich hoffe, wenn ich wieder in Berlin bin, und in meinem Zimmer bin, kann ich wieder ein bisschen mehr Struktur in mein Leben bringen.

Abgesehen davon ist mein Nacken unglaublich steif, ich kann meinen Kopf kaum bewegen und das ist auch ein Grund, warum ich mich darauf freue, wieder nach Deutschland zu kommen. Physiotherapie. Und Sport.

Oben ein komisches Bild, das ich beim Ausprobieren verschiedener sinnloser Filter auf meiner Kamera von unserer Fensterbank gemacht habe. Zu sehen, von links nach recht: Psycho Killah, Salat. God of War, Koriander. Anna Menina, Blume. Random Rosenblüten. Und Vasiliy Basilik, Basilikum. Wir sind ein sehr grüner Haushalt.

Am Freitag hatte Pedro, Stacey’s Brasilianischer Kumpel, Geburtstag, also sind wir in sein Studentenheim, um ein bisschen zu feiern. Bevor das allerdings passierte, hat dessen Freund bei uns geklingelt, und mich zum Malen gezwungen. Also, er hat mir einfach eine Leinwand und Pinsel hingestellt, und Stacey sagte „Du kannst nicht einfach Übersetzungen machen, während wir hier malen“, also malte ich. Ich fing an, eine Eule zu malen, wurde dann von mir selbst und meinen Gedanken abgelenkt, und am Ende wurde ein buntes irgendetwas daraus. Der Rest des Abends verlief eher unspektakulär, wir sind in verschiedene Bars und für ungefähr zwanzig Minuten in einen Club gegangen, als plötzlich panisch Zoe anrief und mich bat, ihr den Schlüssel für die Wohnung (wir haben ja nur zwei) zu geben, und zwar jetzt, sie sitze in einem Taxi vor dem Singer-Haus und warte. Also rannte ich. Sie sagte, ich solle rennen. Dann wartete ich auf Stacey, damit wir zu Fuß nach Hause gehen können. Das war alles sehr fehlgeplant und uninformiert und wir hätten uns alle sehr viel Stress ersparen können, aber um ehrlich zu sein ist Stacey momentan auch sehr merkwürdig und ich gebe die Schuld an dem Dilemma, wenn es denn eines war (im Endeffekt wären wir wahrscheinlich so oder so bald heim gegangen), ihr.

Sonntag war Martins Geburtstag. Seine Eltern waren anwesend. Außerdem habe ich mit Ava’s Mutter telephoniert, und der Schock darüber saß so tief, dass ich hoffe, sie hat mein unwillkürliches Zusammenzucken nicht bemerkt, als ich ihr Gesicht auf dem Display erblickte. Diese Frau sieht unglaublich verbraucht aus.

Montag haben wir unsere Beziehung mit unserer Nachbarschaftsbar ein bisschen aufgefrischt und landeten in einer Diskussion über Sex mit Robotern. Dienstag habe ich irgendwelche Freunde von Zoe kennengelernt und es hat in Strömen geregnet, sodass ich, die als letztes in der Bar ankam, von den Knien abwärts komplett durchtränkt war und so drei Stunden dort herumsaß ohne wirklich zu trocknen.

Gestern habe ich eine neue Jacke gekauft. Sie ist leuchtend rot und wunderschön. Mit 4.500 Rubeln eigentlich ein bisschen über meinem Budget, aber egal. Ich liebe sie. Da heute Donnerstag ist und Donnerstag auch heißt, dass wir ins Poison gehen, werde ich sie aber heute nicht anziehen, sonst wird sie nur geklaut. Statistische Erhebungen haben gezeigt, dass jedem schon mal etwas im Poison geklaut wurde. Wir waren gestern Abend außerdem noch in der Wohnung einer anderen Freundin Zoe’s und es war die größte Wohnung, die ich je in Sankt Petersburg und vielleicht überhaupt gesehen habe. Und sie wohnen dort drin zu viert, auf 250qm. Wir wohnen zu dritt auf 25qm. Na ja. Überhaupt, na ja.

Ich werde mich jetzt fertig machen. Morgen sind wir auf irgendeine Party eingeladen, da wir letztens einen DJ kennengelernt haben, der Freitag in einem Club bei uns in der Nähe auflegt. Samstag ist eine andere Party von einem Kanadisch/Russischen Typen, den ich auf einer von Ava’s Feierlichkeiten aufgegabelt habe. Sonntag war auch irgendwas, aber hab ich jetzt vergessen. Und dann geht meine letzte volle Woche los. Ohje.

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