Einfach so

Ich bin immer noch in Vladikavkaz. Und das, obwohl ich zu Anfang lieber gestern schon als heute morgen erst weitergefahren waere.

Die 15 Stunden Zugfahrt aus Sochi war in Ordnung. Ich hatte ja ein Kupé reserviert, also ein Abteil mit Bett und das war recht gemuetlich. Als ich um Zehn in den Zug stieg, war ich allein in meinem Abtei. Als ich irgendwann nachts aufwachte, war da ploetzlich eine Person mir gegenueber. Ich schaute sie verschlafen an, sie schaute zurueck, ich winkte, sie winkte auch, dann bin ich wieder eingenickt. Nach halber Strecke verließ sie mich, ohne, dass wir viel miteinander geredet haetten. Die Landschaft indes war nicht sonderlich interessant und so verbrachte ich den Großteil der Fahrt tatsaechlich nur mit Schlafen. In Vladikavkaz angekommen war ich erstmal geschockt: was fuer ein Schrotthaufen von Stadt! Zur Begrueßung wurde ich von einem Taxifahrer verfolgt der mich unbedingt nach Tbilisi bringen wollte. Und nach meinem ersten Eindruck der Stadt hatte ich auch schon ueberlegt, einfach sofort mit Trampen anzufangen, schließlich war es noch frueh. Aber ich hatte ein Hostel reserviert und wollte mich mit einem Menschen vom Couchsurfing treffen, außerdem musste ich dringend waschen. Also los, okay, ein Tag, nicht schlimm. Und vielleicht ist der Typ ja ganz nett.

Ja. Das mit dem Couchsurfer war so eine Sache. Ich empfand ihn via Chat als ziemlich aufdringlich, weil er mich umbedingt zum Hostel bringen und mir helfen wollte und sich direkt mit mir treffen wollte. Aber als ich so einsam und allein im Regen durch dieses haessliche Fleckchen Erde gestiefelt bin dachte ich mir: ach, warum nicht. Was soll schon passieren? Also sagte ich ihm wo ich residiere und schon bald stand er mit seiner Frau vor meiner Haustuer. Wir sind dann in ein ‚interaktives Restaurant‘ namens NEO gefahren, wo die Tische eine Touchscreenoberflaeche haben, auf der man bestellen kann – ziemlich fancy. Es gab dann Tee, leckere Limonade und ein traditionelles ossetisches Gericht, dass entfernt an eine sehr kaesige Pizza erinnert. Ich wurde eingeladen, wir haben uns sehr nett unterhalten und fuer heute fuer einen kleinen Ausflug verabredet – und wow, was fuer ein Ausflug! Mitten in den Kaukasus, in die Berge, in ein altes Dorf und drumherum. Ich war sogar im Berg drin und es war so hoch, dass ich nicht mehr richtug Luft bekommen habe, es war fantastisch. Die beiden kennen die Gegend super gut und es war unglaublich interessant, ihnen zuzuhoeren. Danach waren wir noch auf einen Spaziergang durch die Stadt, wo sich mir die schoene Seite Vladikavkaz enthuellte, die sich bisher vor mir versteckt hielt. Erneut wurde ich auf Kaffee, Kuchen und reichlich Essen eingeladen. Morgen frueh bringen die beiden mich zur georgischen Grenze. Ich bin froh, dass ich keine Plaene hatte, denn sonst waere mir diese einmalige Gelegenheit entgangen. Ich muss unbedingt ein paar Fotos einfuegen, wenn ich wieder an einem richtigen Computer sitze!

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