Нанюхала?

Also, mein Wochenende jetzt war irgendwie krass. Aber von vorn.

Donnerstag waren wir natürlich beim Couchsurfing (wie soll ich in Zukunft meine Donnerstagabende verbringen?). Das war witzig diesmal, abgesehen davon, dass mir ein Kerl namens Kostya die ganze Zeit überall hin gefolgt ist. Er ist ganz nett, eigentlich, und sogar interessant, aber er redet einfach zu viel. Viel zu viel. Ich saß auf der Bühne am hinteren Ende des Saales, mit Zoe und Anya als meine beiden Bodyguard-Bitches vor (ich habe das gerade ernsthaft mit f geschrieben, so weit ist es schon) mir und habe mich populär gefühlt. Auf dem Weg zum Poison haben wir mir russische Winnie Pooh Zitate beigebracht und in dem Moment, als ich beim abbiegen На пра-ВО! gesagt habe, habe ich mich dann doch sehr russifiziert gefühlt. Danach haben wir Barbie Girl gesungen und irgendwelche zufälligen Menschen auf der Straße haben mitgemacht. Im Poison haben wir im Kreis getanzt und keiner wusste, warum. Es gab eine Welle von Applaus für jeden.
Aber weil wir vernünftige Menschen sind, Zoe und ich, sind wir schon recht früh nach Hause. Oder das heißt zumindest, wir wollten, denn das ist in Sankt Petersburg manchmal ein bisschen schwierig. Man rennt doch so oft in Bekannte. So auch Donnerstag. Man war auf dem Weg zu einer Hausparty. Ob man nicht kurz mitkommen wollen würde? Nur für eine halbe Stunde versteht sich.

Nun. Daraus wurde natürlich nichts. Zumindest nicht für mich. Die Wohnung war erstmal fantastisch groß und modern und ich bin schon wieder überrascht, dass es solche Wohnungen überhaupt hier gibt. Zoe und ich saßen anfangs etwas unsicher auf der Couch, wir kannten auch die meisten nicht und den, den wir kannten gar nicht mal so gut. Es dauerte dann auch nicht lang, bis Zoe bemerkte: „They totally snort coke in the corner.“ Auf dem Weg nach draußen – ich blieb, sie ging – steckte sie mir dann mein Portemonnaie in den BH und sagte „You’ve got big tits, you can store basically anything in them. So take care.“ And so I did. Ich war dann gegen fünf Zuhause.

Am nächsten Tag ein ähnliches Spiel, wir gehen abends in eine Bar, wo besagter Kumpel auflegte. Zoe verließ mich und auch ich hatte nicht geplant, noch allzulange zu bleiben. Doch dem DJ sind einige Freiheiten in einer Bar, zum Beispiel Bierfreiheit und so bestellte er einfach ungefragt Bier nach Bier für mich mit, bis wir wieder in der Wohnung vom Vorabend landeten. In meinem Rausch habe ich versucht einem Mädchen mit interessanter Frisur auf Russisch ein Kompliment zu machen (immerhin: ich musste die ganze Zeit Russisch reden, man kann es also wenigstens als Übung verstehen), aber ich wusste nicht, was Pony heißt, habe dann für 10 Minuten geredet bis sie mich angeschaut hat wie den letzten Freak. Das war meine letzte Konversation mit ihr.

Um den Morgen zu begrüßen haben wir ein letztes Bier auf einem Steg auf der Moika getrunken und es war um 8 schon unglaublich warm. Als ich um 10 nach Hause kam, waren meine Mitbewohner schon wach. Zoe hat angefangen, Frühstück für uns zu machen, Stacey saß auf ihrem Bett und aß bereits. Dann fing meine Nase an zu bluten, ich stopfte mir ein Taschentuch rein, setzte mich auf mein Bett, starrte Stacey mir gegenüber an und fühlte mich wieder wie in einer dieser klassischen Sitcom-Situationen.

Schlafen konnte ich dann auch nicht lange, gestern war Wareniki-Party bei Tanja. Und ich fühlte mich wie der letzte Hund. Bis ich angefangen habe, mich fertig zu machen, lag ich tot im Bett und habe Lofi Hiphop Radio gehört und mir die verstörenden Chat-Kommentare über Fußfetischismus durchgelesen. Bei Tanja selbst und auf dem Weg war ich dann natürlich derbe verschallert und so war es auch nur eine logische Konsequenz, dass ich irgendwann auf dem Sofa eingepennt bin. Ich bin ja eigentlich auch nur hin, weil ich gedacht habe, dass „Wareniki-Party“ meint, dass wir zu viert bei ihr in der Küche hocken und Wareniki kochen, aber das Wort Party in dem Bezug war tatsächlich ernst gemeint. Es waren acht Leute in Tanjas Zimmer und – außer mir – haben alle Bier fröhlich getrunken. Aus meinem Sofanickerchen wachte ich auf, weil Verschwörungstheorien über einen der Anwesenden – oder zu dem Zeitpunkt nicht mehr Anwesenden, das war der Punkt – aufgestellt wurden und ich es dann doch verwirrend fand, in Sankt Petersburg in einem Raum voller Amis völlig verkatert und irgendwie immer noch breit zu sitzen und sich zu Überlegen, warum jemand gerade den Raum verlassen hat.

Für den weiteren Verlauf des Abends hatten wir auch theoretisch gesehen den perfekten Plan: in eine Bar auf dem Weg zu den Brücken, Brücken gucken, ab zur nächsten Party. Davor eine Lunte rauchen beim Nachbarn. Das beste an der Lunte beim Nachbarn war das Buch mit dem Titel „Tools of Titans“, eins dieser typischen amerikanischen Selbsthilfebücher für Männer. Und eine zehnminütige Diskussion darüber, ob wir ein Taxi bestellen sollten und wenn ja, wie viele. Wir waren nämlich zu fünft und wussten nicht, ob wir den Taxifahrer erpressen können, uns zu viert auf die Rückbank zu quetschen. Ich habe ein Video davon. Es ist sehr witzig.

In der Bar angekommen ruft Zoe an und fragt, wo wir sind. Bevor wir zu den Brücken wollten mussten wir also warten und die verursachte Verzögerung sorgte dafür, dass die Brücken bereits oben waren. Was schon unpraktisch genug war, vor allem, weil wir eigentlich auf die andere Seite wollten. Die ursprüngliche Party fand dann aber auch gar nicht statt, die ist nämlich erst heute (wer macht eine Party auf einem Sonntag?), also sind wir auf der Suche nach etwas Essbarem durch die Innenstadt gestriffen. Dann gesellte sich noch Stacey zu uns, generell Leute zu finden und zusammen zu bringen war an diesem Tag ein großes Kuddelmuddel. Während ich auf Tanja wartete saß ich mich miserabel fühlend auf einem Stein vor ihrem Haus und beobachtete Leute, die anscheinend auch auf Tanja warteten, wie sich herausstellte, als diese mit Einkaufstüten in der Hand vor der Tür stand.

So viel also dazu. Heute Abend ist dann besagte Party. Stacey hatte mich auch auf ein Konzert eingeladen, aber wir haben so lange geschlafen und das war mir dann alles zu stressig. Ich mache jetzt meine Übersetzungen, dann esse ich, dann gehe ich feiern. Nächste Woche ist meine letzte Woche hier, da kann an auch noch mal ein paar Tage dumm und ungesund sein bevor man wieder nach Hause fährt um dort dumm und ugnesund zu sein.

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